Südliche Bretagne: touristisch aber trotzdem schön

Das Klima ist eine Spur milder, die Strände zum Baden geeigneter. Das ist wohl auch der Grund, warum der Süden der Bretagne bei Touristen beliebter ist. Dies hat zur Folge, dass man in Strandnähe kaum freistehend campieren kann. Allerdings fanden wir schöne, fast menschenleere Campingplätze, so dass dies zu verschmerzen war. Wir besuchten Concarneau und Pont Aven, die Schauplätze der beliebten Dupin-Krimis, die Halbinsel Quiberon sowie den Golf von Morbihan. Und wir gingen Essen. Endlich. Vor allem Austern von hier natürlich.

Doch nochmal einen Schritt zurück. Nachdem wir den Phare d’Eckmühl besucht hatten, dämmerte es uns, dass wir ab diesem Punkt der Reise wohl kaum mehr solch einsame Strände und Buchten wie im Westen vorfinden würden. Wenn man auf einer Reise überhaupt Fehler machen kann, dann haben wir uns von der fixen Idee, endlich windsurfen zu gehen und länger an einem Strand zu verweilen und die Füße ein paar Tage hochzulagern, zu sehr antreiben lassen. Wir hätten einen Tag länger im Westen bleiben sollen. Oder zumindest nochmal eine Nacht auf jenem Strand, den wir nach dem Besuch des Fischerortes Guilvinec gefunden haben. Aber gemäß dem Leitspruch „alles ist immer für etwas gut“, haben wir auch im Süden schöne Plätze entdeckt und eine schöne Urlaubszeit verbracht.

Sonnenuntergang in Locmariaquer

Doch der Reihe nach: Da unser Reiseführer Bretagne – Zeit für das Beste* uns den Besuch des Fischerstädtchens Guilvinec schmackhaft gemacht hatte, steuerten wir dieses als nächstes an. Als Attraktion für Touristen hat man sich in Guilvinec eine Freiluft-Bildergalerie einfallen lassen. Bei unserem Besuch lautete das jährlich wechselnde Motto der Ausstellung: Der Mensch und das Meer. Vom Fischfang bei den Inuit bis hin zu Bildern von heimischen Seeleuten reichte die Palette. Die Ausstellung war ein nettes Ad-On, die eigentliche Attraktion stellt in unseren Augen das Städtchen selbst dar – eine Hochburg der Hochseefischerei! Man merkt, dass hier der Fischfang zu Hause ist, alles dreht sich hier um Fisch, aber auch um den Schutz der Meere. Die Hochseefischereiflotte der Bretagne besteht zum Großteil aus kleinen Booten und arbeitet nicht oder kaum mit den fragwürdigen Treibnetzen.

Nach einem Rundgang setzen wir unsere Reise fort und kamen durch Zufall an einem sehr schön gelegenen Strandabschnitt vorbei. Hinter dem Sandstrand mit Dünen breitete sich eine hügelige Heidelandschaft aus, in der man parken konnte. Verbotsschild entdeckten wir keines, allerdings erlaubten wir uns aufgrund des uns selbst auferlegten Zeitdrucks nur eine Kaffeepause (Tipps zum Kaffee-Equipment hier), anstatt länger zu verweilen.  

Wenn wir dir die Koordinaten dieses schönen Platzes, den wir leider nicht genutzt haben, senden sollen, schreib uns unten mithilfe der Kommentarfunktion eine Nachricht!

Von Bénodet hatten wir uns etwas mehr erwartet. Wir hatten damit geliebäugelt, mit der Fähre zu den Glénan-Inseln zu fahren, allerdings waren alle Bootsfahrten mit Essen und Unterhaltungsprogramm angesetzt. Darauf hatten wir nun wirklich keine Lust. Wir kehrten in Bénodet ein (Austern super, Hauptspeise naja) und fuhren weiter, um uns einen Übernachtungsplatz zu suchen. Die Herbergssuche erinnerte bald an ein vorweihnachtliches Krippenspiel. Bei allen Parkplätzen waren Verbotsschilder oder Höhenbegrenzungen angebracht. Schließlich fanden wir in Fouesnant einen Platz hinter einer kleinen Lagune, der als Wendeplatz der örtlichen Müllabfuhr ausgewiesen war. Parken (auch über Nacht) war lt. Schild erlaubt, außer am Freitag, weil das der Tag der Müllsammlung war. Und heute war ausgerechnet Freitag! Doch es war schon sehr spät, also beschlossen wir, ganz am Rand zu parken, um der Müllabfuhr genug Platz zu lassen.

Das erste Mal wurden wir kurz nach Mitternacht geweckt: wir hörten, wie der Müllwagen in den Platz einfuhr und mit einmal Reversieren wendete. In den Morgenstunden kam der Müllwagen (oder ein anderer) noch einmal und konnte es sich nicht verkneifen, seinem Unmut, dass wir hier trotz Verbotsschild standen, durch lautes Dauerhupen Luft zu verschaffen. Wir konnten es ja verstehen, wir hatten ohnehin ein schlechtes Gewissen… In der Früh suchten wir sehr schnell ohne Frühstück das Weite…

Da ich einer Freundin versprochen hatte, in Concarneau einen Petit Café im Cafe L’Amiral für sie zu trinken (ihr Lieblingsromanheld ist Kommissar Dupin) durften wir diese touristische Hochburg natürlich nicht auslassen. Unser Fazit: natürlich ist Concarneau schön. Aber auch nicht viel sehenswerter, als so manch andere Orte der Bretagne, die weniger überlaufen sind! Die Markthalle sollte man jedenfalls nicht auslassen. Den Kaffee tranken wir dann nicht im L’Amiral sondern woanders: Eine Schlange an Touristen wartete bereits darauf, einen Platz in Dupins Kaffeehaus einnehmen zu dürfen.

Auf allen Ausflügen während unserer Wohnmobilreise durch die Bretagne haben wir übrigens unsere Fotoausrüstung, verstaut in unseren leichtgewichtigen Fotorucksäcken dabei (Günther: Lowepro Powder* auch für Bergsport, Christine: Lowepro Trek*, etwas kleiner).

Weiter gings nach Pont Aven, einem Künstlerstädtchen und ebenfalls Schauplatz der Dupin-Krimis, das uns wirklich gut gefiel. In einer kleinen Crêperie mit Terrasse direkt über dem Aven aßen wir Crêpes. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass man entlang des Avens bis zu seiner Mündung ins Meer eine schöne Wanderung durch die Wälder machen kann. Auch eine Bootsfahrt mit unserem Kajak wäre möglich gewesen. An Günthers Gesicht konnte ich ablesen, dass ihm weniger danach war. Sein Argument, dass Vegetation und Landschaft hier ja eher so wie in Österreich und damit nicht unbedingt etwas Besonderes seien, setzte sich durch. Ich denke, dass wir diesem Teil der Strecke etwas mehr Planung hätten widmen sollen. Hier funktioniert es nicht, sich dort, wo es schön ist, einfach einen Platz für die Nacht zu suchen. Auch Campingplätze waren nun in der zweiten Septemberhälfte schon einige geschlossen.

Also ging es weiter entlang der Küste. Unser nächstes Ziel war das Mekka des Windsurfens und Kitens, aber auch des bretonischen Sommertourismus: die Halbinsel Quiberon. Die Halbinsel verjüngt sich in ihrer Mitte bei Penthièvre zu einem schmalen Streifen. Der Ort Penthièvre weist also sowohl einen Ost- als auch einen Weststrand auf. Wir checkten am dortigen Camping Municipal (Ostseite) ein, der uns als Ausgangspunkt für die nächsten vier Tage dienen sollte.

Der Campingplatz war einer der wenigen, die länger offen haben (wenn ich mich recht erinnere, sogar bis 2.11.) und wir waren eines von ungefähr 10-20 Wohnmobilen, die die riesige Fläche des Platzes für sich hatten. Wir hatten rund um uns mindestens fünf bis zehn Plätze frei, also das Gefühl, ganz alleine auf weiter Flur zu stehen. Wir standen hinter der Düne und ein kleiner Weg gab den Blick auf das Meer frei.

So schön das Touren im Norden und Westen war, so entspannend war nun der stationäre Aufenthalt an einem Platz. Wir erkundeten die Gegend um Penthièvre gleich mal mit dem Bike: das Fort de Penthièvre, den Kitestrand und die Austernbänke. Günther kam endlich zu seinen Windsurf-Sessions während ich Laufen ging. Da es im Süden eindeutig mehr Infrastruktur als im Westen gibt, gingen wir einige Male Essen oder kauften im riesigen Fischsortiment der Supermärkte ein, um uns wieder etwas am Skotti* zu grillen.

Das Wetter war teilweise bewölkt und es gab auch den einen oder anderen Regenguss, aber dazwischen immer wieder Sonnenschein. So einen sonnigen Abschnitt nutzten wir dann auch für unsere MTB-Tour entlang der Côte Sauvage von Quiberon.

Leider war der Strand in Penthièvre an der Ostseite, die Günther fürs Windsurfen bevorzugte nicht besonders attraktiv. Auch Günther war, trotz der Surfmöglichkeit, nicht restlos überzeugt und so beschlossen wir, einen schöneren Platz etwas weiter östlich am Festland zu suchen.

Diesen fanden wir auch in Locmariaquer. Den dortigen Campingplatz Camping Municipal La Falaise und Strand können wir wirklich jedem ans Herz legen! Er war zwar etwas besser besucht als der Platz in Quiberon und bietet keinen direkten Meerblick, aber er ist sauber und schön angelegt mit Blick in toskanisch anmutende Landschaft. Auch der Surfspot war top! Am ersten der beiden Abende kehrten wir in der kleinen Campingplatz-Pizzeria ein, die zwar keine typisch italienische aber doch eine recht gute Pizza zuwege brachte.

Am nächsten Abend wollten wir mal so richtig gut essen gehen. Ich ergoogelte das Restaurant L’Armoric in Auray, das sich als Volltreffer erwies. Die Ortschaft Auray mit ihrem mittelalterlichen Hafen kommt in den Reiseführern viel zu kurz, ist aber unbedingt einen Besuch wert! Auray liegt kurz vor der Mündung des gleichnamigen Flusses ins Meer und der alte Stadtkern mutet wie aus Grimms Märchen an. Zahlreiche kleine Lokale und Bars laden zu einem Einkehrschwung ein, leider waren die Temperaturen zum Draußensitzen bereits eher ungemütlich.

Nach unserem Fotorundgang nahmen wir also im Inneren des L’Armoric Platz und bestellten Austern und zwei Hauptgerichte. Alles war sehr gut. Das L’Armoric ist zwar ein relativ großes Restaurant aber Service und Qualität sind top und auch die Preise ok, also definitv eine Empfehlung.

Unser Urlaub in der Bretagne neigte sich schön langsam dem Ende zu. Eigentlich hätten wir noch 2 bis 3 Tage Zeit gehabt, aber es waren schwere Unwetter und regnerische Tage gemeldet. So beschlossen wir, die Heimreise bereits früher anzutreten. Der letzte Tag versprach jedoch noch halbwegs beständiges Wetter, daher wollten wir eine Kajaktour im Golfe du Morbihan mit seinen angeblich 365 Inselchen wagen. Dieser Bootstrip wurde dann doch etwas stürmischer…

Ganz in der Nähe unseres Campingplatzes war eine der vielen Verkaufsstellen für Austern und Hummer. Nach unserer Bootstour holten wir die vorab reservierten Austern und Hummer ab, die wir nach Österreich importieren wollten. Die Hummer waren bereits gekocht, die Austern in mehrere Plastiksäcke verpackt. „Unser Fang“ fand im Kühlschrank des VW California Platz – wo ein Wille, da ein Weg!

Wir machten unseren Bus bereits am Vorabend der Abreise startklar und schliefen nicht mehr im Aufstelldach, sondern auf den umgelegten Bänken unten. In der Nacht war ohnehin ein Unwetter gemeldet und so waren wir am nächsten Tag schneller startklar.

Am nächsten Morgen begleitete uns der Regen bei unserer Heimreise eine gute Wegstrecke lang, so, als wolle er uns den Abschied von der Bretagne erleichtern. Ein Abschied, der in uns den Wunsch weckte, bald wieder zu kommen!

Dies ist der letzte Reisebericht unserer Bretagne-Tour! Eine Übersicht über die gesamte Route erhältst du im Artikel zur Reiseplanung.  

Wir machen jedes Jahr eine längere Reise und mehrere spontane Kurztrips mit unserem VW-Bus. Wenn du uns dabei begleiten und dir hin und wieder in unserem Blog Inspirationen für deine nächste Reise holen willst, fordere doch einfach unseren Newsletter, die Brieftaube, an! Wir freuen uns über dein Abo, das dir natürlich nichts kostet!

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