Einsamkeit und Weite im Westen der Bretagne

Kilometerlange, breite Sandstrände hinter Dünen, hohe Wellen aber auch malerische Buchten und fotogene Leuchttürme – all dies haben wir im Westen der Bretagne gefunden. Die Ortschaften sind klein, es gibt nur wenige Restaurants und die waren geschlossen. An den Stränden traf man nur Surfer, eine Handvoll Individualurlauber und ein paar Aussteiger. Alle anderen Touristen waren im September schon weg oder waren vielleicht auch nie da.

Das „Abenteuer Westen“ begann für uns am Surfstrand von Penfoul. Nachdem wir von Locquirec aufgebrochen waren, wollten wir dem Nebel, der die Küste im Norden verhüllte, entkommen. Aber Wrach, Plage Saint-Marguerite, Beniguet – all diese Orte waren in eine dicke Nebelsuppe getaucht und es war einfach nicht einladend, dort stehenzubleiben. Außerdem konnte es Günther kaum erwarten, endlich wellenreiten zu gehen.

Penfoul
Penfoul
Sonnenuntergang am Surfspot

So ließen wir die genannten Orte aus und landeten bei Sonnenuntergang am Surfstrand von Penfoul. Der Surfspot war einfach zu finden, denn der Parkplatz befand sich gegenüber der Straße und die Surfer überquerten die Bundesstraße mit ihren Brettern wie bei einer Ameisenstraße. Also wussten wir, wo wir zu halten hatten und verbrachten hier eine Surf- und Fotosession – die Felsformationen im Abendlicht und die Surfer im aufgewühlten Meer gaben ein tolles Motiv ab – sowie eine Nacht. Wenn dich dieser Spot interessiert: hier gehts zum Surfartikel.

Am westlichsten Punkt des Festlandes

Am nächsten Tag erreichten wir den westlichsten Punkt des französischen Festlandes. Dies ist nicht, wie oft fälschlicherweise behauptet, der Pointe du Raz, sondern der Pointe de Corsen. Links vom Aussichtspunkt kann man entlang der spektakulären Steilküste wandern, rechts davon gelangt man über zahlreiche Stufen hinunter zu einer Bucht mit schönem Sandstrand, an dem wir einige Zeit verweilten und eine Gruppe Musikerinnen und Tänzerinnen bei einer rituell anmutenden Performance in einem in den Sand gezeichneten keltischen Kreis beobachteten.

Die Entdeckung der schönsten Bucht

Als nächste Station wollten wir einem Stellplatztipp aus einem Youtube-Video, der auch in unserem empfehlenswerten Wohnmobil-Tourguide* von Reise-Know-How genannt wurde, folgen. Doch dieser Stellplatz in Lampaul-Plouarzel lachte uns doch nicht ganz so an. So begaben wir uns auf die Suche nach einer besseren Option für die nächste Nacht und beim Cruisen entlang der Küste entdeckte Günther von oben „unsere Bucht“, wie wir sie auch heute noch nennen. Sie befand sich einige Kilometer südlich des Pointe de Corsen, in ihr lagen einige Fischerboote vor Anker. Der kleine Parkplatz, der großteils von den Fischern genutzt wird, wurde in der ersten Reihe von schätzungweise 4 Wohnmobilen belegt. Ganz am Rand war noch ein Plätzchen frei, dieses sollte uns für die nächsten zwei Nächte gehören.

Wenn wir dir die Koordinaten dieses wunderschönen Platzes (kein offizieller Stellplatz, aber über Nacht Parken wird geduldet) im Westen der Bretagne senden sollen, nutze die Kommentarfunktion unten und sende uns eine kurze Nachricht.

Unsere Nachbarn, ein Rentnerehepaar auf Dauer-Reise beäugte uns interessiert, als wir uns erstmal eine kleine Jause zubereiteten. Wir kamen mit den beiden ins Gespräch. Sie standen schon länger in dieser Bucht und schienen ebenfalls von deren Schönheit verzaubert zu sein.

Das folgende Bad in der Bucht war so kühl wie erwartet (Wassertemperatur wie überall ca. 18 Grad) und wir wärmten uns bei einem Spaziergang in der Bucht wieder auf. In der Nacht wurde es durch das Bächlein, das hier ins Meer mündete, empfindlich kühl. Die Temperaturanzeige auf der Camperunit unseres VW-Buses zeigte 9 Grad in den Morgenstunden. Um uns etwas aufzutauen, schalteten wir die Standheizung ein. Dies blieb natürlich von unseren Nachbarn nicht unbemerkt: sie quittierten es mit einem Lachen und meinten, dass wir wohl Zugvögel aus dem Süden seien.

Sehenswerte Leuchttürme im Westen der Bretagne

Am nächsten Tag stand zuerst mal der Leuchtturm Kermorvan auf dem Programm. Es gibt unzählige Leuchttürme in der Bretagne. Ich hatte mir jene ausgesucht, die mir auf der Fotoplattform Fotocommunity am fotogensten erschienen. Da wir sehr gerne fotografieren, checken wir diese Plattform vor jeder Reise, um die schönsten Fotospots einzuplanen.

Der Leuchtturm hielt, was Fotocommunity versprochen hatte. So steuerten wir einige Zeit und ca. hundert Fotos später den Surfstrand Plage des Blancs Sablons an, der etwas nördlich vom Kermorvan liegt. Günther tobte sich in den Wellen aus (hier gehts zum Surfbericht), ich spazierte in der Zwischenzeit den breiten und langen Sandstrand entlang. War der Strand am Vormittag noch weitgehend menschenleer, so füllte er sich am frühen Nachmittag mit Locals, Surfern, Hundebesitzern und Familien, die wohl nach der Arbeit oder Schule hierherkamen.

Plage des Blancs Sablons

Zeit, das nächste Highlight an dieser Küste anzusteuern: den Leuchtturm Phare du Saint-Mathieu, der neben einem alten, teils verfallenen Kloster liegt. Eine gute Übersicht über unsere gesamte Tour, mit der Möglichkeit von Station zu Station zu springen, bietet dir unsere interaktive Reisekarte.

Nach einem Fotorundgang kehrten wir im Café gegenüber ein und freuten uns auf einen kleinen Snack. Als Günther einen Croque Monsieur bestellte, schaute ihn der Kellner etwas verständnislos an. Günther dachte zuerst, ich hätte ihm das falsche Vokabel genannt und er vielleicht etwas unanständiges gesagt, aber es war natürlich die falsche Uhrzeit. Wie konnten wir glauben, um ca. 15 Uhr am Nachmittag einen kleinen Snack bestellen zu können! Unsere Fehlversuche beim Einkehren verfolgten uns auf dieser Reise. Aber immerhin war der Kaffee gut.

Als nächstes statteten wir dem Leuchtturm Phare du Petit Minou einen Besuch ab. Dem Leuchtturm vorgelagert ist eine geschwungene Steinbrücke. Wenn man schöne Fotos machen möchte und es sich einteilen kann, wäre es besser, diesen Leuchtturm am Abend zu besuchen, wenn der Leuchtturm selbst beleuchtet ist und die hässliche Betonruine daneben, vermutlich ein Kriegsrelikt, am Foto in der Dämmerung verschwindet.

Nach unserem „Leuchtturm-Tag“ kehrten wir wieder zu „unserer Bucht“ zurück, da wir in der Gegend sonst nirgends einen Ort gefunden hatten, der diesem Platz das Wasser reichen konnte und bereiteten uns ein Lachssteak auf unserem superpraktischen, zerlegbaren Skotti-Grill* zu.

Wir verbrachten eine weitere Nacht unter klarem, aber kühlem Sternenhimmel in „unserer Bucht“ und stärkten uns vor unserer nächsten wieder etwas längeren Autofahrt mit einem Frühstück am Strand – herrlich!

Wir ließen Brest und auch die Presquîle de Crozon links liegen, obwohl dieser Landstrich im Westen der Bretagne sicher auch schöne Abschnitte zu bieten hat. Aber in drei Wochen kann man die Bretagne nicht komplett besichtigen, wenn man die Reise auch noch genießen will.

Am Pointe de la Torche

Unser nächstes Ziel war der Pointe de la Torche, ebenfalls ein Surfstrand, der beidseits einer Landspitze zu befahren war. Am ersten Tag war der „linke Teil“ an der Reihe. Da wir weder am Weg noch im Internet einen anderen Platz als den Campingplatz „de la Torche“ gefunden haben, war dies die Adresse unserer Wahl. Der Platz liegt etwas im Landesinneren, ist ziemlich in die Jahre gekommen, aber die Parzellen haben eine gemütliche Gartenatmosphäre. Wir hatten uns in einem Supermarkt mit riesiger Fischabteilung zwei Rotbarben (barbettes rougets) gekauft und einige Tintenfischringe, die wir uns – wieder kam der Skotti* zum Einsatz – zu einer Flasche Champagner schmecken ließen. Dazu gab es wie so oft Brokkoli und Reis, da beides nur mit Wasser und daher ohne Kochgerüche im Bus zubereitet werden kann. Die mangelhafte Restaurant-Infrastruktur in dieser Gegend ging uns kaum ab.

Nach einem erneuten Surftag (hier gehts zum Surfbericht), diesmal auf der anderen Seite der La Torche Landspitze, kehrten wir allerdings nicht an den Campingplatz zurück, da wir einen besseren Stellplatz gefunden hatten. Während der Parkplatz vor dem Pointe de la Torche ein Übernachten nicht oder nur in einer sehr unattraktiven Parkbucht zugelassen hätte, wies ein Strandabschnitt in der Nähe eine Parkmöglichkeit direkt hinter den Dünen auf, die wesentlich mehr Charme besaß und von einigen Surfern aus Paris zum Übernachten benutzt wurde.

Sandstrand mit Graffiti-Galerie

Der Strand selbst war sehr breit und unendlich lang. Es ging sehr flach ins Meer hinaus, dadurch entstand eine Fläche, die nur einen Zentimeter hoch mit Wasser bedeckt war und wie ein Spiegel wirkte. Zahlreiche besprayte Bunker machten aus ihm eine Freiluftgalerie, die einen Abendspaziergang wert war. Danach gabs wieder Gutes vom Skotti-Grill*, diesmal Entrecôte und dazu Knoblauchbaguette.

Wir richteten uns in einer windgeschützten Mulde in der Düne unseren Grill- und Essplatz ein, mit Blick auf das Meer. Es versteht sich von selbst, dass wir den Platz danach so verlassen haben, wie wir ihn vorgefunden hatten und aufgepasst haben, die sensible Vegetation nicht niederzutreten. Als die Sonne untergegangen war, wurde es empfindlich kühl und mein 3-in-1 Mantel* kam wieder zum Einsatz.

Am nächsten Morgen war es zunächst trüb und bewölkt. Trotzdem standen wir relativ bald auf. Auch unser Parkplatznachbar, ein Surfer, war bereits munter – er hatte die Nacht in seinem kleinen Peugeot offensichtlich ohne bleibende Rückenschäden überstanden und machte sein Surfboard startklar. Einige Surfer bevölkerten bereits den Strand, ebenso wie einige einheimische Fischer, die mit ihrem Auto offensichtlich direkt auf den Strand fahren dürfen, um im Watt oder im niedrigen Wasser zu fischen. Nach einem ausgiebigen Strandspaziergang und späteren Frühstück – es kam wieder die Sonne raus – setzten wir unsere Reise entlang der Küste fort. Hier geht’s zur gesamten Tour mit Karte.

Der Phare d’Eckmühl, an dem wir einen Fotostop einlegten, markierte für uns den Übergang vom Westen in den Süden der Bretagne, damit das Ende des Endes der Welt, des Finistère, und das Wiedereintauchen in touristischere Gefilde. 

Wenn du Koordinaten zu den genannten Wohnmobil Stellplätzen im Westen der Bretagne haben möchtest, dann sende uns eine Nachricht mithilfe der Kommentarfunktion unten. Natürlich freuen wir uns auch über ein Brieftauben-Abo!

*Für die Platzierung eines Werbe-Links werden wir nicht bezahlt. Wenn du jedoch über diesen Link bestellst, erhalten wir ggf. eine kleine Provision vom Händler, für dich ändert sich nichts am Preis. Diese Werbe-Links sind am Sternchen (*) zu erkennen.

Das könnte dich auch interessieren …

16 Antworten

  1. Andreas sagt:

    Hi, bin gerade am Planen unserer Herbsttour, 4 Wochen wollen wir zuerst die Loire entlang (Schlösser gucken) und dann in die Bretagne. Eure Seite hat super Bilder und einige nette Anregungen.
    Den Strand beim Pointe du Corsen hatte ich auch schon gefunden (Dank Google), könnte ihr mir die Koordinaten der anderen Stellplätze schicken? Lieben Dank, viele Grüße, Andreas

    • Christine sagt:

      Lieber Andreas!
      Bitte entschuldige die etwas späte Antwort… wir waren in den letzten Wochen jede freie Minute unterwegs ;-)! Die Koordinaten der Stellplätze im Westen gehen soeben per Mail an dich durch!
      Wenn du noch etwas brauchst, einfach melden! Danke für die netten Worte! Alles Liebe und gute Reise!

  2. Nicole Heinle sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    das klingt alles sooo wunderbar – wir wollen uns auch im September für 3 Wochen in die Bretagne begeben. Dürften wir auch die Koordinaten für eure Stellplätze haben?

    Vielen lieben Dank und euch eine schöne Zeit!

    lg
    Nicole

    • Christine sagt:

      Liebe Nicole!
      Ich schreib dir gleich ein E-Mail mit den gewünschten Koordinaten! Wir wünschen euch eine schöne Reise und viel Spaß bei den Vorbereitungen!
      Liebe Grüße
      Christine

  3. Bastian sagt:

    Hallo,
    Wunderschöne Bilder und Beschreibungen! Da kommt direkt wieder das Bretagne-Fernweh hoch. Für uns geht es dieses Jahr ab Ende Juni los.
    Kannst du uns auch bitte die Koordinaten schicken? Gerne auch von weiteren Traum-Stellplätzen 😉
    Schöne Grüße,
    Bastian

    • Christine sagt:

      Lieber Bastian! Danke, das freut uns :-)! Ist ja super, dass es bei euch im Juni lostgeht! Hoffentlich ist noch nicht recht viel los, denn in der Hauptsaison wird das Freistehen leider nicht ganz so problemlos geduldet… Ich schicke dir ein Mail mit den Koordinaten! Jetzt schon gute Reise! Christine

  4. Sonja sagt:

    Liebe Zugvögel,
    ich würde mich sehr über die Koordinaten freuen. Gibt es Größenbeschränkungen für die Plätze?
    Eine toller Beitrag von euch. Vielen Dank!
    Viele Grüße
    Sonja

    • Christine sagt:

      Liebe Sonja! Zu der Zeit, als wir da waren (Sept 21), war bei den Plätzen, die wir in diesem Beitrag beschreiben, keine Höhenbeschränkung. Es ist zu hoffen, dass dies noch lange so bleibt! Koordinaten folgen gleich per Mail! Alles Liebe, Christine

  5. Carola sagt:

    Liebe Nicole, ich hatte auch gerne die Koordinaten eure Stellplätze.
    Vielen herzlichen Dank
    Carola

  6. Tanja sagt:

    Moin
    Also einfach freistehen? Ist das erlaubt?
    Es sieht einfach traumhaft aus… würde mich sehr über die Koordinaten freuen!!
    Lg

    • Christine sagt:

      Liebe Tanja! Die Koordinaten folgen per Mail! Das Freistehen ist in der Bretagne nicht erlaubt, aber wird vielerorts in der Nebensaison geduldet. Auf einigen Plätzen gibt es Höhenbeschränkungen, auf Verbotsschilder für nächtliches Parken sind wir eigentlich kaum gestoßen. Wir schauen auch immer, wie sich die anderen, oder noch besser, die Locals, verhalten und passen unser Verhalten an. Summa Summarum fanden wir es recht unproblematisch und vor allem im Westen haben wir viele Plätze vorgefunden. Im Süden hingegen (östlich von Concarneau) haben wir kaum Plätze gefunden.

  7. Tanja sagt:

    Hallo, Ihr Lieben!
    Wir möchten Anfang September mit unserem Dachzelt durch die Bretagne reisen und würden uns über die Koordinaten Eurer tollen Stellplätze freuen. Wir haben sanitärmässig alles dabei und sind so unabhängig, so dass auch Womo-Plätze in Frage kommen.
    Ganz liebe Grüße von Tanja und Gerhard

    • Christine sagt:

      Liebe Tanja, lieber Gerhard!
      Das klingt ja toll :-)! Wir sind am 26.4. wieder im Lande, dann senden wir gerne die Koordinaten durch! Bis bald, Christine

  8. Nicole Lüdemann sagt:

    Liebe Zugvögel,

    Wir möchten im Sommer 6 Wochen in Frankreich verbringen- hauptsächlich in der Bretagne. Bei der Recherche bin ich auf eurem Blog gelandet den ich gerne gelesen habe! Danke dafür! „Eure“ Bucht klingt traumhaft- würdet ihr uns die Koordinaten zukommen lassen?
    Viele Grüße!
    Nicole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.