Wellenreiten im Westen der Bretagne

Wellenreiten gehört im Westen der Bretagne einfach dazu. Schulklassen absolvieren in der Turnstunde Surfkurse, wie bei uns in Österreich Skikurse. Kein Wunder, die Wellen sind zuverlässig gut und es gibt immer einen Swell. Dafür sind diese Strände zum Baden und Schwimmen ziemlich ungeeignet. So zog ich es vor, durch das Teleobjektiv zu beobachten, wie Günther versuchte, an seine in anderen Urlauben erworbenen Surf-Fähigkeiten anzuknüpfen. Hier sein Surfbericht:

Vielleicht gilt es, einleitend zu erwähnen, dass Wellenreiten für Binnenländler wie mich nicht gerade die oberste Priorität hat. Der Swell auf den Salzkammergutseen oder anderen Gewässern in unseren Gefielden hält sich doch eher in Grenzen ;). Nichtsdestotrotz ist es ein wunderbarer Sport, den ich vor einigen Jahren bei einem dreiwöchigen Urlaub in seinen Grundkenntnissen erlernte. Es ist ein durchaus schwer zu erlernender Wassersport, der viel Kraft, Gefühl und Erfahrung erfordert. In den 3 Wochen auf Bali machte ich folgende Lernkurve mit:

1. Woche: Orientierung, wo muss ich hin, dass mich die Welle mitnimmt und wie komme ich da mit möglichst wenig Kraftaufwand hin.

2. Woche: Okay, die Welle nimmt mich mit, was mach ich jetzt 😉 Unzählige teils höchst ungraziöse Abstiege waren die Folge.

3. Woche: Erst nach unzähligen „Waschgängen“ in den zum Teil hohen Wellen, was mir übrigens den Spitznamen „Mr. Washburn“ eingebracht hatte, kam ich ins Fahren. Ein wahrlich erhebendes Gefühl, die Naturgewalt zu nutzen und den Wellenberg runter bis zum Strand zu fahren.

Mit diesem „Rüstzeug“ und meinem auf Hawaii erworbenen, leider für mein Gewicht/Größe etwas zu kleinen Board, kamen wir in die Bretagne. Der Atlantik und die zum Teil exponierten Buchten zum offenen Meer waren natürlich gute Voraussetzungen für nutzbare Wellen und ich hatte mir fest vorgenommen, nicht nur Windsurfen, sondern in der Bretagne auch Wellenreiten zu gehen. Das Hydraulikdach unseres VW California war jedenfalls mit den beiden Equipments, mit in Summe exakt 50kg, am Limit der Herstellerangaben.

Abendsession in Penfoul

Das schlechte Wetter an diesem Tag trieb uns von Locquirec an der Nordküste weg. Den Nebel und das trübe Wetter, dem wir entkommen wollten, konnten wir erst ganz im Westen abschütteln. Nach einer relativ langen Fahrt kamen wir also zu späterer Stunde hierher. Die Wellen kamen ziemlich gut rein in die Bucht von Penfoul, wo sich auch eine Surfschule angesiedelt hat, was immer ein gutes Zeichen ist.

Die Bucht selbst war relativ schmal und an beiden Seiten von Felsen flankiert, über die man aber gut ins Wasser gelangen konnte. Es war ziemlich frisch an diesem Tag. Die fehlende Sonne, der Wind und das frische Wasser des Atlantik waren in den Abendstunden nicht besonders einladend. Allen Widrigkeiten trotzend, hab ich mich nach dem Abchecken der Situation trotzdem gleich ins Wasser geschmissen.

Es war „high tide“, als ich ins Wasser ging, und ich konnte aufgrund dessen nicht wissen, was sich unter der Wasseroberfläche befand. Ich orientierte mich an den ca. 10 anderen Surfern und erwischte nie Felsen oder spitze Steine. Grundsätzlich muss man sagen, dass ich an diesem Tag aufgrund der unruhigen See keine Linie ausfindig machen konnte, an der die Wellen brachen. Es war mehr ein heilloses Durcheinander von brechenden Wellen, die in manchen Fällen reichten, um ein paar Meter mitzufahren. Nach 1 1/2 Stunden zog sich das Meer immer weiter zurück, weshalb dann bald mal Ende war. Zufrieden ließ ich mich an den Strand zurückspülen und freute mich, nach 5 Jahren Abstinenz endlich wieder mal am Surfboard gestanden zu sein. Allein die Stimmung mit dem tosenden Wasser, der dunklen Wolkendecke und der, unter der Wolkenlinie untergehenden Sonne, war etwas Besonderes.

Abendstimmung bei Ebbe in der Bucht von Penfoul…

Ausgepowered und zufrieden zogen wir uns in den Bus zurück, kochten uns was und blieben die Nacht direkt in der Surfbucht stehen. Im Blogbeitrag „Einsamkeit und Weite im Westen der Bretagne“ kannst du nachlesen, was es sonst in dieser Gegend noch zu sehen gibt und welche Stellplätze wir genutzt haben.

Die Weite am „Plage des Blanc Sablons“

Nach dem Einstieg in das Wellenreiten in der Bretagne bei Penfoul, ging es weiter über den „Point de Corsen“, dem westlichsten Punkt des französischen Festlandes zum „Phare de Kermorvan“. Bei einer kleinen Wanderung zum Leuchtturm entdeckten wir die wunderbare Bucht des „Plage des Blanc Sablons“, die an diesem Tag fast menschenleer war. Kleinere Wellen kamen sehr schön gleichmäßig in die breite Bucht rein. Wir entschieden unseren Plan zu ändern, um uns am Strand niederzulassen.

Es war aufgrund der Höhe der Wellen keine herausragende Geschichte zu erwarten, allerdings zählt ja nicht nur das, sondern oft auch die Umgebung und der Wohlfühlfaktor dabei. Der war absolut gegeben und ich paddelte 2 Stunden mit Unterbrechungen in der sanften Brandung.

Es ist davon auszugehen, dass hier an großen Tagen richtig was geht und der gleichmäßig ins Meer abfallende Sandstrand berechenbare, gleichmäßig brechende Wellen generiert. Beim nächsten Bretagnetrip werden wir diesen schönen einsamen Strand sicher wieder besuchen!

Surfparadies am „Pointe de la Torche“ in der Nähe von Quimper

Die Erwartungen an „La Torche“ waren groß nach diversen Gespräche mit anderen Surfern, die wir am Weg trafen. Unisono wurde mit Superlativen herumgeworfen in den Erzählungen. Nach der Fahrt ausgehend vom Plage de Blanc Sablons, die uns aufgrund der zerklüfteten Küstenlinie über Brest und Quimper relativ weit über das Landesinnere führte, kamen wir an den Ort, der offensichtlich bei vielen Surfern für feuchte Träume sorgte…

Nach einem ersten Check der Lage vor Ort wurde ich dann auch nervös und hatte es ziemlich eilig, ins Wasser zu kommen. Perfekte Bedingungen in zwei durch eine kleine Halbinsel getrennten Buchten. Die Wellen waren bis zu 2 m hoch und kamen laufend in schönen Sets rein YEAH 🙂 Ich huschte zurück zum Bus und holte mein Zeugs. Übrigens ultrapraktisch zum Be- und Entladen des Dachträgers ist die im Türrahmen einhängbare Stufe Phatrip*, da sie null Platz braucht und ihren Zweck erfüllt. Zu beachten ist einzig und allein, dass man sie beim Türe Schließen nicht vergisst, daher die orange Warnfarbe… Dieses und andere praktische Tools zum Beladen des Busses an anderer Stelle

Die Buchten waren ziemlich gut besucht, aber aufgrund der Breite und den unzähligen Stellen, an denen man den Drop-In hinbekam, war es kein Stress im Wasser. In diversen Urlauben hatte ich in überbevölkerten Buchten allerdings richtig miese Erfahrungen gesammelt. Von Typen, die mich im Wasser vermöbeln wollten, bis hin zu 1 m vor dem Gesicht angesetzten Cutbacks usw. gab es da immer wieder richtige A…..cher im Wasser, die meinen, die Welt gehöre ihnen. La Torche, sowie alle Spots zum Wellenreiten in der Bretagne, waren glücklicherweise frei von dieser Spezies!

Die Bedingungen wären fein gewesen, trotzdem kämpfte ich mit dem richtigen Zeitpunkt des TakeOffs, Balance und der aufgrund der vielen Abstiege und Anpaddlern, schwindenden Kraft. Neben unzähligen unsanften Abstiegen erwischte ich zumindest zwei, drei Wellen und durfte somit durchaus versöhnliche Momente erleben.

Fazit: Für das Wellenreiten ist die Bretagne eine sehr lohnende Location, weil die Spots nicht überlaufen sind und es zuverlössig gute Wellen gibt. Aufgrund des kühlen Atlantik sollte man allerdings einen guten Neopren mitbringen.

Abschließend ein paar Ausrüstungsempfehlungen für diese und ähnliche – für Europa typische – Bedingungen:

Surfboard:

  • Wie am Bild mit dem französischen Surfer ersichtlich, wählt man am besten ein Mini Malibu. Im Shop von Blue Tomato gibt es eine gute Auswahl an Boards. Auf der Website ist auch gut erklärt, welches Brett zu wem passt aufgrund Gewicht, Können, etc.
  • Hier noch ein Link zu dem Brett*, das ich mir als nächstes für diese und ähnliche Bedingungen kaufen werde.

Neoprenanzug:

  • Ich finde die 4/3er für die Bedingungen gut, sie haben den Vorteil dass sie etwas dünner bei den Armen sind (Beweglichkeit) und am Körper etwas dicker (Wärme), was im Atlantik kein Nachteil ist. Hier eine kleine Auswahl an 4/3er Neoprenanzügen* für Herren.
  • Ich selbst habe Ion Strike Semidry 4/3, ich habe ihn schon viele Jahre und bin von dessen Qualität überzeugt. Hier das derzeit aktuelle Modell des Ion Strike.*

Neoprenschuhe:

  • Eine große Auswahl an Neoprenschuhen findet man beim Spezialanbieter Blue Tomato*.
  • Gut und günstig ist dieser Neoprenschuh*.

Nicht vergessen und am besten gleich mitkaufen: Surfwax*, um den Grip am Board nicht zu verlieren und natürlich eine Leash* zum neuen Board.

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