Bretagne Wohnmobil-Tour: Route, Planung und Vorbereitung

Bereits vor der Lieferung unseres Bullis stand eine Bretagne Wohnmobil-Tour ganz oben auf unserer persönlichen Reise-Hitliste. Warum? Weil unsere Nachbarin, die jeden Herbst dort verbringt, uns diese in glühenden Farben geschildert hat und weil wir gehört haben, dass Frankreich – zumindest außerhalb der Hochsaison – kulant mit Freistehern ist. Das schien uns perfekt für unsere erste mehrwöchige Wohnmobil-Tour und so begannen wir sehr bald mit deren Planung.

Für die Planung unserer Bretagne Wohnmobil-Tour stand uns ziemlich viel Lesestoff zur Verfügung. Ich selbst habe drei Reiseführer gekauft und unsere Nachbarin, die Wahlbretonin, hat uns mit allerlei Magazinen, natürlich in französischer Sprache, versorgt. Voller Vorfreude begann ich bereits im Winter, also mehr als ein halbes Jahr vor der Reise, mich einzulesen. Hilfreich fand ich den „Wohnmobil Tourguide*“ von Reise Know-How und ergänzend „Bretagne – Zeit für das Beste*“ inkl. Faltkarte. Vor allem für die Orte im Süden war „Bretagne“ von Reise Know-How ganz gut.

So überspringt man die Sprachbarriere

Als ehemalige Lateinerin des Französischen so gar nicht mächtig zu sein und in den französischen Magazinen nur Bilder ansehen zu können, wurmte mich so, dass ich im Jänner mit dem Online Französisch Kurs Duolingo begann. Diese gratis Handy-App ist spielerisch aufgebaut und ich habe einfach jeden Abend auf der Couch ca. 20 Minuten mit ihr verbracht. Das hat gereicht, um mir einige Grundkenntnisse, auch grammatikalische Basics, zu verschaffen. Da der Wortschatz für typische Reisesituationen in dieser App nicht vermittelt wird, habe ich zusätzlich noch das Hörbuch „Ab in den Urlaub*“ von Langenscheidt gekauft und downgeloadet. Dieses habe ich mir während meiner morgendlichen Yoga-Einheiten verinnerlicht. Das alles klingt vielleicht nach fürchterlich viel Aufwand, war es aber tatsächlich nicht. Natürlich muss man eine gewisse Liebe zur Sprache an sich mitbringen, aber das vorausgesetzt, ging es auf diese Art und Weise eigentlich nebenbei.

Es ist wirklich zu empfehlen, sich einige Brocken der Landessprache anzueignen. Denn diese – in Kombination mit meinem passablen Italienisch-Wortschatz – haben uns in der einen oder anderen Situation geholfen. Zum Beispiel als wir in einem Baumarkt im Hinterland Gas für unseren Griller kaufen mussten. Keiner der Verkäufer sprach Englisch, was auch bei der Jugend gang und gäbe in der Bretgagne ist  – Personal auf Campingplätzen etc. mal ausgenommen.

Die Routenplanung

Ich habe die Orte, die mir während der Lektüre oder den Reisedokus (TV und YouTube) spannend vorkamen, in der Landkarte des Reiseführers markiert. So wurde ersichtlich, welche Regionen wir ansteuern und welche wir eher auslassen würden. Denn die gesamte Küste abzufahren, ist in drei Wochen nicht möglich. Hin und wieder muss man auch Strecke auf der Schnellstraße machen und auf einige Küstenabschnitte verzichten. Das war es dann aber auch schon mit der Planung unserer Bretagne Wohnmobil-Tour. Genauer, also wann wir wo sein wollten, haben wir nicht geplant. Wir wussten, wir wollten am Mont Saint Michel starten und die Runde westwärts bis zur Halbinsel Quiberon drehen. Den Rest wollten wir dem Zufall, dem Wetter sowie Lust und Laune überlassen.

https://www.google.com/maps/d/edit?mid=16Gl1_lPHtEEVQhzvIHXpEwa1keHy_FGM&usp=sharing

Reisezeit und Temperatur

Als Reisemonat für unsere Bretagne Wohnmobil-Tour haben wir den September gewählt, weil wir die Hochsaison vermeiden wollten (Freistehen!) und unsere Nachbarin uns versichert hat, dass der September niederschlagsmäßig vorteilhaft ist. Das Meer sei außerdem vom Sommer noch aufgewärmt – nach bretonischen Maßstäben natürlich – also auf ca. 19 Grad. Untertags hatte es während unseres Aufenthalts zwischen 18 und 24 Grad, geregnet hat es tatsächlich selten. Nachts konnte es empfindlich kühl werden, einmal hat das Thermometer 9 Grad angezeigt, was im Dachbett schon wirklich kühl war.

Da wir mit kühler Atlantikluft am Abend gerechnet haben, hatten wir entsprechende Funktionskleidung mit an Bord, auch dünne Hauben und Schals. Extra für den Urlaub habe ich mir einen 3-in-1 Outdoor-Mantel* von Jack Wolfskin gekauft, außen regendicht, innen mit herausnehmbaren Fleecefutter. Wenn wir abends länger draußen saßen (also eigentlich immer), war er mein Retter. Ein wichtiges Kleidungsstück war auch die ärmellose Primaloft-Jacke* von Löffler, die man auch gut zu einem kurzärmeligen Shirt gegen den Wind kombinieren konnte. Für die Wassersportarten (Surfen und Paddeln) hatten wir lange Neoprens dabei. Zum Paddeln hat sich für mich ein ärmelloser Longjohn bzw. Longjane* mit einer Jacke bewährt.

Einen kleinen Nachteil hat das Reisen im September: Ab Mitte September sind viele Campingplätze geschlossen. Im Westen war dies kein Problem, da wir ohnehin kaum Bedarf an offiziellen Plätzen hatten, im Süden, wo Freisteher-Plätze Mangelware sind, haben wir das eine oder andere Mal etwas länger googeln müssen, aber eigentlich immer einen Platz gefunden. Noch später jedoch, zB im Oktober könnte es problematisch werden, da sollte man in Betracht ziehen, die Wohnmobil-Tour durch die Bretagne im Süden zu beginnen.  

Einkaufen und Essen gehen

Eigentlich hatten wir vor, das Sprichwort „Essen wie Gott in Frankreich“ auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen und möglichst oft abends essen zu gehen. Daraus wurde allerdings nichts. Denn viele Restaurants außerhalb der größeren Orte hatten im September schon geschlossen, vor allem im Westen der Bretagne. Es könnte natürlich sein, dass dies auch Corona geschuldet war. Aus diesem Grund und weil wir meist an Orten standen, wo wir abends nicht mehr wegwollten, waren wir großteils Selbstversorger. Die Supermärkte bieten riesige Feinkost- und vor allem Fischabteilungen, die in ihrer Größe sogar jene in Italien übertreffen. Der Atlantik scheint noch ein halbwegs fischreiches Gewässer zu sein. Daher kam unser praktischer, zerlegbarer Skotti-Grill* oft zum Einsatz. Im Kapitel „Tipps und Ausrüstung“ haben wir übrigens eine praktische Checkliste zusammengestellt, was wir so alles auf unseren Touren dabei haben. Einen eigenen Beitrag haben wir unserer Camper-Küche gewidmet.

Stellplätze in der Bretagne

Bereits zuhause habe ich im Tourguide jene Plätze markiert, die mir sympathisch erschienen. Das haben wir dann direkt während unserer Bretagne Wohnmobil-Tour, kurz bevor dieser Ort für eine Übernachtung in Frage kam, gegengecheckt mit den Möglichkeiten auf Park4Night und auch einen Blick in Google Maps geworfen. So haben wir fast immer tolle Stellplätze gefunden. Im Norden und Westen sind wir meist frei gestanden, im touristischen Süden ab Concarneau hingegen dann nur mehr auf Campingplätzen. Denn die wenigen „wilden“ Stellplätze, die es im Süden gegeben hätte, waren alle mit einer Höhenbegrenzung versehen, für die wir, um unten durch fahren zu können, unser Surfequipment jedes Mal abmontieren hätten müssen. Die Campingplätze im Süden waren allerdings so weitläufig und nur wenig frequentiert, so dass wir auch dort das Gefühl hatten, frei zu stehen.

Wenn du zu unseren Stellplätzen eine Frage hast, schreib uns einfach einen Kommentar! Gerne senden wir dir auch die GPS-Daten des jeweiligen Platzes aus unseren Beiträgen zu – als kleines Dankeschön für ein Brieftauben-Abo zum Beispiel 😉.

Die nonstop Anreise

Sowohl Google Maps als auch unser Navi zeigte für die Route über Saarbrücken und Paris eine Fahrtdauer von 13 Stunden an. Wir schafften die Anreise trotz Stau in Paris dann in rund 15 Stunden ohne längeren Stop. Apropos Paris: für die Autobahnen rund um die Hauptstadt braucht man eine Umweltplakette, die man für ca. € 5,- online anfordern kann. Die Zusendung per Post dauerte allerdings etwas länger als auf der Website versprochen – also nicht zu lange warten!

Am Tag unserer Abreise fuhren wir zuhause um 8 Uhr los. Wir hatten beschlossen, uns abzuwechseln, damit immer einer rasten oder schlafen konnte. Günther hat mit der Fahrt begonnen, aber mir das Steuer bald schon wieder überlassen, da er müde von der anstrengenden Arbeitswoche war. Ich habe uns dann von Passau bis kurz vor die französische Grenze gebracht, dann haben wir wieder getauscht. Es war gut machbar. Wenn wir gemerkt hätten, dass wir müde werden, wären wir irgendwo abgefahren und hätten uns mittels Park4Night einen Schlafplatz gesucht.

Wir haben den Weg über das Autobahnnetz genommen. Die Autobahnen in Frankreich sind kostenpflichtig, man bezahlt so wie in Italien abschnittsweise an Mautstationen. Die Mautgebühr ist unterschiedlich hoch, da die Autobahnen verschiedenen Gesellschaften gehören, die teuren Abschnitte sind deutlich weniger frequentiert. In der Bretagne selbst besteht auf den Autobahnen und Schnellstraße keine Mautpflicht. In Summe haben wir auf unserer Tour rd. € 150,- Maut bezahlt, für das Tanken € 570,- und insgesamt während des kompletten 3-wöchigen Urlaubs inklusive Lebensmittel und Essen-Gehen € 2.040,- ausgegeben.

Eine Reifenpanne, die dann doch keine war

Als wir, am Ziel fast angelangt, von der Autobahn abgefahren waren und uns auf Güterwegen zwischen Maisfeldern den Weg zum Mont Saint Michel suchten, hatten wir noch ein Erlebnis, das man nicht unbedingt braucht.

Unvermittelt leuchtete plötzlich die Reifendruck-Warnleuchte auf und zeigte an, dass einer unserer Reifen sehr schnell Druck verlor. Zuerst vermuteten wir, dass uns die Elektronik einen Streich spielt. Aber die Leuchte wollte auch nach mehrfachem Motorneustart nicht erlöschen.  Als wir im zweiten Anlauf endlich eine Tankstelle mit Luftkompressor mit Manometer fanden, zeigte dieses an, dass der Druck in all unseren vier Reifen gleich war, wir also keinen Platten hatten. Wir fanden schließlich auf Google eine Begründung: die lange Autobahnfahrt hatte vermutlich die Luft in den Reifen aufgeheizt. Diese ist dann nach Verlassen der Autobahn wohl derart abrupt abgekühlt, dass die Fehlermeldung ausgelöst wurde.  Da wir noch nie 15 Stunden am Stück gefahren sind, war das für uns eine neue Erkenntnis. Nach diesem Schreck steuerten wir dann endlich unseren ersten Stellplatz beim Mont Saint Michel an…

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