Sardinien mit dem Wohnmobil – mit dem VW-Bus auf Entdeckertour

Heuer wollten wir ein weiteres Traumziel für Wohnmobil Reisende ansteuern: Sardinien. Würde es dort in der Nachsaison ebenso entspannt möglich sein, auch mal freizustehen? Unser Bretagne-Urlaub des Vorjahres hat die Latte diesbezüglich ziemlich hoch gelegt. Eines gleich vorweg: Trotz einiger Unkenrufe durften wir auch in Sardinien das Freiheitsgefühl erleben, das wir an dieser Art des Reisens so schätzen.

Bei euch steht Sardinien mit dem Wohnmobil am Plan? Dann geben wir euch in diesem Blogbeitrag gerne ein paar Ezzes bezüglich Routenplanung, Reiselektüre, Reisezeit und Temperatur etc.

Wer sich noch nicht entschieden hat, ob Sardinien das Reiseziel seiner Wahl ist, springt am besten gleich weiter zu den Blogbeiträgen über Sardiniens Norden, Osten, Süden und Westen.

Me(e)hr Freiheit – (fast) alleine…

Die richtige Reisezeit für Sardinien mit dem Wohnmobil

Für uns stand fest, dass wir unsere Reiseplanung an der Möglichkeit ausrichten wollten, mit unserem VW-Bus auch abseits von Campingplätzen die eine oder andere Nacht verbringen zu können. Natürlich gilt auf Sardinien, wie überall in Italien, das Wildcamping-Verbot. Ob und wann Ausnahmen toleriert werden würden, haben wir versucht, in diversen Foren und Facebook-Gruppen in Erfahrung zu bringen.

Natürlich haben wir einige belehrende Antworten kassiert, die wir unkommentiert ließen, wurden aber summa summarum in unserer Einschätzung bestätigt, dass es Off-Season durchaus möglich ist, wenn man entsprechendes Verhalten und Sensibilität an den Tag legt. Wir entschieden uns also, die Fähre für den dritten Sonntag im September zu buchen, retour sollte es am ersten Freitag im Oktober gehen. Die Samstage vor und nach der Fährfahrt waren unsere An- bzw, Abreisetage. In Summe waren wir also genau 3 Wochen unterwegs.

Die Temperaturen während unseres Urlaubs betrugen zwischen 22 und 28 Grad. Einer Regenfront, die Sardinien in der zweiten Woche im Westen streifte (und die der Wetter-Forecast erst relativ kurzfristig ankündigte) konnten wir durch Änderung unserer Route weitgehend ausweichen.

Wüstenartiges Klima

Hinsichtlich Bekleidung waren wir untertags ausnahmslos und sogar an den bewölkten Tagen kurz/kurz unterwegs. Abends hingegen wurde es ziemlich kühl. Das schickere, sommerliche Outfit, das ich zum Essen-Gehen eingepackt hatte, blieb im Schrank. Jeans, Sweater und zu späterer Stunde zusätzlich eine ärmellose Primaloft-Weste* waren die beste Wahl für den Abend.

Ein Fehler war allerdings, dass wir – in Anbetracht der makellosen Wettervorhersage – unsere Goretex-Regenjacken* zuhause gelassen hatten. Wie schon angesprochen, änderte sich der Wetterbericht. Man lernt daraus: die Dinger brauchen kaum Platz und sind daher immer einzupacken!

Ansonsten haben wir das gesamte Equipment, das wir on tour brauchen, ohnehin immer im Bus. Wer einen Blick auf unserer Ausrüstung werfen möchte, dem sei der Blogartikel zum Thema Ausrüstung empfohlen.

Reiseführer und Lektüre

Wie vor jedem Urlaub haben wir uns eingelesen – mithilfe folgender Publikationen :

Der Wohnmobil-Guide Sardinien* von Peter Höh aus dem Reise-Know-How-Verlag ist zwar eher nüchtern gestaltet, ist aber, was Inhalt betrifft, umfassend und unschlagbar. Die einzelnen Landstriche und so gut wie alle Camping- bzw. Stellplätze sowie viele Parkplätze werden vom Autor treffend beschrieben. Außerdem werden auch weniger bekannte Gegenden behandelt und nicht nur die Hotspots.

Sardinien mit dem Wohnmobil* von Petra Lupp und Martin Klug, erschienen bei Bruckmann, ist optisch einladender mit größeren und schöneren Fotos. Allerdings bietet das Buch eine deutlich geringere Anzahl an „Platzbeschreibungen“ (nur eine gewisse Auswahl an Camping- und Stellplätzen, gar keine Parkplätze).

Unser Tipp: wer die Insel eingehend und individuell erkunden will, auch mal abseits üblicher Pfade, ist mit dem Wohnmobil-Guide* bestens bedient. Wer die bekanntesten Plätze nach einer vorgegebenen Route abfahren möchte, der hat wahrscheinlich mit Sardinien mit dem Wohnmobil* das passende Buch an der Hand.

Da keinem der beiden Reiseführer eine großformatige Reisekarte beiliegt, haben wir die Reise Know-How Landkarte Sardinien* bestellt. In dieser haben wir die Orte, die uns interessant erschienen, markiert bzw. mit Anmerkungen („Surfspot“, „eventueller Freistehplatz“…) etc. versehen.

Da es sich bereits im Vorfeld abzeichnete, dass unsere erste Sardnien-Reise nicht unsere letzte sein würde, investierten wir kurz vor Abreise noch in zwei MTB-Führer: den Bike-Guide Sardinien* (46 Touren mit GPS-Tracks) sowie Mountainbiken auf Sardinien* (77 Touren mit GPS-Tracks).

Beim letztgenannten Buch ist zu berücksichtigen, dass ein angegebener technischer Schwierigkeitsgrad von Mittel bedeutet, dass einige – selbst für einen recht geübten Fahrer wie Günther – sehr fordernde Passagen dabei sind, die für „normale“ Hobbyfahrer definitiv Schiebestrecken darstellen. Diese Passagen sind aber gut beschrieben, man weiß, was einen erwartet und kann durch die farbig markierten Routenabschnitte auch einschätzen, ob man die Strecke schiebend bewältigen kann, ohne allzu viel Zeit zu verlieren.

Routenwahl: einmal rund um Sardinien

Nach der Lektüre der Reiseführer war jedenfalls eines klar: Sardinien ist ein vielfältiges Reiseziel mit unendlich vielen, schönen Stränden und einem faszinierenden Binnenland. Alles würde in 3 Wochen nicht zu schaffen sein. Vor allem, weil wir ja auch die eine oder andere Rad- oder Paddeltour einplanen wollten sowie auch ein paar Strandtage.

Wir haben es nicht ganz geschafft, die Insel zu umrunden, was auch unserem Schlechtwetter-Ausweichmanöver geschuldet war. Wer nicht mancherorts auch mal 2-3 Tage verweilen möchte, um dort zu sporteln oder faul zu sein, für den geht sich die Inselrunde sicher in 3 Wochen aus, sogar mit Abstecher ins Landesinnere.

Uns blieb letztlich der Abschnitt zwischen Stintino und Bosa, also Alghero und Umgebung verwehrt. Wir müssen also ein weiteres Mal nach Sardinien mit unserem Wohnmobil ;-).

In der folgenden, interaktiven Karte sind die Stationen unserer Reise anklickbar und zum jeweiligen Blogbeitrag verlinkt.

https://www.google.com/maps/d/u/0/edit?mid=1oMnF9TxtjJipF3wZG08_4lTYXOWOOcQ&usp=sharing

Abkürzungen in der Karte: FSP=Freistehplatz, CP=Campingplatz, STP=Stellplatz / die Symbole sollten selbsterklärend sein

Unsere Stellplätze in Sardinien

Während unseres Sardinien-Urlaubs übernachteten wir zweimal auf einem Campingplatz (La Liccia, San Teodoro), zweimal auf einem Stellplatz (Chia, Buggerru), einmal auf einem Agricampeggio (Bosa), einmal vor einem Agriturismo-Restaurant (mit Erlaubnis des Wirts) und die restlichen Nächte frei.

Unsere Freisteh-Plätze waren durchwegs Strandparkplätze, auf Höhenbeschränkungen sind wir nicht gestoßen. Um das sogenannte Campingverhalten zu reduzieren, räumten wir alle Gegenstände inklusive Müllsack in den Bus, wenn wir ins Bett gingen oder uns nicht beim Bus aufhielten. Das Hochdach stellten wir kurz vor dem Schlafengehen auf und klappten es nach dem Munterwerden gleich wieder zu.  

Einkaufen und Infrastruktur

Beim Gedanken an Pizza, Pasta und Co. freuten wir uns darauf, oft essen zu gehen, um die landestypische Küche zu genießen. Wie wir es von italienischen Badeorten am Festland gewohnt waren, erwarteten wir auch auf Sardinien zahlreiche Restaurants vorzufinden.  

Hm naja: nicht ganz. Wenn man von einigen mehr oder weniger charmanten Touristenzentren im Osten, wie San Teodoro, Cala Gonnone, Costa Rei bzw. natürlich den größeren Städten absieht, ist die Auswahl vielerorts eher dünn. Ortschaften mit historisch gewachsenem Kern, wie man sie von Italiens Festland-Küsten kennt, gibt es in Sardinien wenige.

Strandlokale bzw. Kioske finden sich hingegen in fast jeder Bucht, deren Speisekarte ist aber meist überschaubar.

Wer gut, reichlich und typisch sardisch (also nicht Pizza) essen möchte, sollte einen Agriturismo ansteuern. Diese Lokale befinden sich meist im Landesinneren, so dass deren Besuch nicht täglich machbar ist, wenn man einen schönen Stellplatz an der Küste hat, den man nicht mehr verlassen möchte.

Sardische Spezialitäten sind unter anderem das Porceddu (bei niedriger Temperatur gegrilltes Milchschwein), Seadas (Dessert mit Pecorino und Honig), Bottarga (Rogen von der Meeräsche, zB über Nudelgerichte gestreut), Pecorino, am besten direkt vom Erzeuger und natürlich der Rotwein Cannonnau di Oliena. Von den drei letztgenannten Besonderheiten haben wir auch einen kleinen Vorrat für uns und als Souvenir mit nach Hause genommen.

Für den Lebensmitteleinkauf gibt es fast überall kleine Greißler und Bäckereien. Sobald wir in einen größeren Ort kamen, suchten wir uns einen Conad Superstore oder anderen größeren Supermarkt, um uns mit Fisch einzudecken, den wir dann auf unserem zerlegbaren Skotti Gasgrill* zubereiteten. Wer seine Camper-Küche noch nicht vollständig ausgestattet hat, kann in diesem Blogbeitrag nachlesen, welche Gadgets wir für unverzichtbar halten.

Unser Reisebudget

Wohl jeder, der eine Reise antritt, spekuliert im Vorfeld darüber, ob es teuer oder günstig werden wird. Wir haben erwartet, dass drei Wochen Sardinien bei weitem teurer werden würden, als die drei Wochen Bretagne im Vorjahr. Wir haben damit gerechnet, dass wir öfter einen Campingplatz ansteuern, der dann auch teurer sein würde als in der Bretagne, und dass wir öfter Essen gehen würden. Dem war nicht so. Wenn man die Kosten der Fähre nicht mitrechnet, haben wir in etwa den gleichen Betrag ausgegeben. Unsere Reisekosten beliefen sich inklusive Tanken, Maut, Campingplätze, Essen gehen, Einkaufen etc. aber exklusive Fähre auf € 2.200,-

Die Anreise mit der Fähre

Wir hatten eigentlich keine Präferenzen, was die Fährlinie anbelangt. Aber es schien uns praktisch, nicht in Olbia anzukommen, sondern im kleinen und übersichtlicheren Golfo Aranci, das nur wenige Kilometer nördlich von Olbia liegt. Da Sardinia Ferries diese kleine Hafenstadt ansteuert, buchten wir deren Nachtfähre von Livorno (Abfahrt 20:30 Uhr) nach Golfo Aranci (Ankunft 7:00 Uhr) online auf deren Ticketplattform hin und retour.

Wir haben ausreichend Zeit für die Fahrt nach Livorno eingeplant und waren, da es keine Zwischenfälle auf der Strecke gab, recht zeitig am Zwischenziel. Daher haben wir am bewachten Parkplatz S.T.P. Porto Livorno geparkt (sehr günstiger Tarif!), sind durch Livorno gebummelt und haben in der Sonne den ersten Sprizz und das erste Ichnusa genossen. Die Altstadt wird von ein paar Kanälen durchzogen, was der Stadt einen venezianischen Touch verleiht, und man spürt, dass die Schifffahrt und der Fischfang wichtige Wirtschaftszweige darstellen. Es ist durchaus empfehlenswert, sich hier für 1-2 Stunden die Beine zu vertreten, wenn es die Zeit erlaubt! Nach einem schnellen Abendessen in einem der wenigen Restaurants, die bereits um 18 Uhr offen hatten, ging es die paar hundert Meter zurück zum Parkplatz, von dem aus wir in 2 Minuten am Fähranleger von Sardinia Ferries waren.

Beim Einparken auf der Fähre sollte man den Einweisern nicht blind folgen. Obwohl wir die Höhe unseres VW-Busses inklusive Surfequipment korrekt angegeben hatten, wies man uns in einen Teil des Decks mit zu niedriger Raumhöhe. Erst beim Aussteigen merkten wir, dass eine der Surftaschen einen Riss bekommen hatte und wir müssten im Schiffsbauch umpacken und das oberste Board in den Bus geben, um nicht beim Ausfahren eine noch größere Beschädigung zu riskieren.

Wir hatten uns für eine Innenkabine entschieden, da wir ohnehin nur schlafen wollten und dafür kein Fenster brauchen. Zur Vorwarnung: Mr. Monk würde auf eine Fähre wohl keinen Fuß setzen! Vor allem das Badezimmer ist schon eher grenzwertig. Am besten man legt sich mitsamt Gewand auf die Pritsche, und versucht, möglichst rasch einzuschlafen.

Diese Aspekte der Anreise waren jedoch rasch vergessen, als die Konturen von Sardiniens Küste im Morgenrot vor uns auftauchten. Wir waren sicher und sollten recht behalten, dass wir einen wunderschönen Urlaub vor uns hatten.

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