Zum Martiniloben in Illmitz am Neusiedler See

Jedes Jahr Anfang November findet in den Weinanbau-Gemeinden rund um den Neusiedler See das Martiniloben statt. Bei diesen „Tagen der offenen Kellertür“ zu Ehren des Heiligen Martin zahlt man Eintritt, dessen Gutteil jedoch in Form von Gutscheinen für den Weineinkauf Genuss bringend angelegt ist. Aufgrund des prächtigen Herbstwetters entschlossen wir uns, dem Martiniloben in Illmitz einen Besuch abzustatten und den Aufenthalt auch für die eine oder andere Radtour im Nationalpark Neusiedler See Seewinkel zu nutzen.

Bereits im Vorfeld unseres Wochenend-Trips hat Axel, unser Freund und Begleiter auf so vielen Bus-Abenteuern, zwei Plätze am Wohnmobilstellplatz Strommer direkt in Illmitz, downtown sozusagen, reserviert. Von dort aus kann man alle Winzer fußläufig erreichen und hat danach nicht mehr weit nach Hause, was angesichts der 30 Weinkeller, die man in Illmitz besuchen kann, einen nicht zu vernachlässigenden Faktor darstellt.

Illmitz Neusiedler See
Stellplatz Strommer mitten in Illmitz

Wir trafen am Freitag am späteren Nachmittag bei Strommer ein. Der Stellplatz ist nicht groß und war fast vollständig belegt, eine Reservierung ist also anzuraten. Interessant für all jene, die entweder kein Wohnmobil besitzen, im November keine Lust mehr auf Camping haben oder einen Kurzurlaub gemeinsam mit Nicht-Campern planen: Strommer bietet auch Gästezimmer an!

Die rund 10 ebenen Stellplätze befinden sich in einem ruhigen Innenhof und für € 20,- pro Tag bekommt man Strom, WC + Duschen (beheizter Container), Wasser und WLAN (wer es braucht).  

So „funktioniert“ das Martiniloben

Gleich nachdem wir unsere Wagenburg bei Strommer eingerichtet hatten, brachen wir zum Pfarrheim, das sich am Ortsplatz gegenüber der Raiffeisenbank (wo sonst 😉) befindet, auf: zwar nicht, um einen Gottesdienst zu besuchen, aber doch irgendwie, um die Schöpfung zu ehren. Denn im Pfarrheim – und nur dort – sind die Ticktes für das dreitägige Weinfest erhältlich.

Für € 45,- kann man 3 Tage lang bei den teilnehmenden, rund 30 Winzern Wein verkosten, so viel man will und erhält außerdem Gutscheine im Wert von € 30,-, die man am letzten Tag (Sonntag) bei den Winzern im Ab-Hof-Verkauf einlösen kann.

Wein-Empfehlungen

Gleich vorweg: wir haben es an den zwei Abenden „nur“ geschafft, rund 20 der 30 Winzer zu besuchen und wissen außerdem nicht, ob jedes Jahr die gleichen Winzer teilnehmen. Trotzdem geben wir hier gerne unsere Favoriten preis. Auch wenn wir drei vinophile Individuen sind, ist diese Auswahl natürlich sehr subjektiv und es ist nicht gesagt, dass diese Jahrgang für Jahrgang gleich ausfallen würde.

Gleich zu Beginn unserer Verkostung hat uns in der Rotweingegend Neusiedler See ein Weißwein überrascht: der herrlich frische Bouvier des Weinguts „Erbhof Wegleitner“, der ob seiner Lebendigkeit am Gaumen ein fast prickelndes Gefühl hinterlässt. Ein Wein aus einer seltenen Rebsorte, der eine Besonderheit darstellt und sich unserer Meinung nach am besten als Aperitif oder auch solo eignet.

Von den zahlreichen Rotweinen, die wir verkostet haben, hat uns das Sortiment von Wein Haider am durchgängigsten überzeugt. Wir haben sowohl Elements Red (2020), als auch die beiden Premium Sorten Dark Treasure und Inception (beide 2019, da 1 Jahr im Eichenfass gereift) mit nach Hause genommen.

Spätlese zu später Stunde

Ein besonders erwähnenswertes Erlebnis stellte für uns der Besuch des Weinkellers der Familie Lang dar. Wir hatten das Glück, dass der Juniorchef und Sohn des Hauses sich um uns kümmerte und uns nicht nur einiges zu den Weinen, sondern auch zum Klima im Seewinkel erzählte. Lang ist auf Auslesen und Beerenauslesen spezialisiert und für deren Gedeihen und Reife sind die Lacken und deren Salze im Seewinkel entscheidend. Klimaveränderungen stellen tatsächlich eine Gefahr für den Ertrag dieser Sorten bzw. dieser Ausbauart dar.

Das offenkundige Know-How und die Hingabe der gesamten Winzerfamilie schmeckte man auch im Glas. Auch hier haben wir eine Weißweinrarität entdeckt: Goldmuskateller, den wir nun nicht nur trocken ausgebaut (2020), sondern auch als Auslese (2019) – die Spezialität von Lang – in unserem Weinschrank zuhause haben.

Bei Lang blieben wir … lang! Die Plauderei war so stimmig, dass Axel sich nicht lange bitten ließ, als man ihn fragte, ob er Lust habe, bei der Weinlese am Montag zu helfen. Da er frei hatte (wir leider nicht), blieb er tatsächlich einen Tag länger und wirkte bei der Ernte der späten Trauben mit.

Mit dem Rad durch den Nationalpark Seewinkel

Unsere Radtouren standen nicht unbedingt unter der Prämisse, eine sportliche Höchstleistung abzuliefern. Wir wollten einfach das schöne Herbstwetter nutzen und die Gegend im Seewinkel erkunden. Da die Entfernungen nicht unerheblich sind und man sich zu Fuß in der Weite der pannonischen Tiefebene ziemlich verloren vorkommt, ist das Rad hier eindeutig die beste Wahl.

Was die Temperaturen betrifft, hatten wir an den beiden Tagen so ziemlich alles: Beim Start am Vormittag war es noch recht kühl (unter 10 Grad), die Softshell-Radhose von Löffler tat gute Dienste (Damen*, Herren*), ebenso die Windstopper Radhandschuhe*, Windstopper Stirnband* sowie für die Morgenstunden eine Unter-dem Helm-Haube*, beides vom Qualitätshersteller Löffler. Die Tageshöchstwerte hingegen lagen deutlich über 20 Grad, in der Sonne war es so warm, dass es in der Pause in der Sonne kurzärmelig zum Schwitzen wurde.

Einmal Hölle und retour

Am Samstag fuhren wir Richtung Westen zwischen bunt belaubten Weinfeldern hindurch, passierten den Stinkersee, bis wir schließlich in der Hölle landeten. Die Orte haben allesamt keine besonders einladenden Namen, wohl weil man sich hier früher am Ende der Welt wähnte. Dafür bietet sich dem Auge nun eine kaum verbaute Naturlandschaft dar, die auch mit tierischen Erlebnissen aufwarten kann. Die üblicherweise im Seewinkel zu beobachtenden Vögel waren zwar zum Teil bereits gegen Süden aufgebrochen, dafür sahen wir Przewalski Pferde und eine Herde Österreichisch-Ungarische Albinoesel in der Nähe des Aussichtsturms am Sandeck.

Eine Lacke, aber kein Wasser

Am Sonntag statteten wir den für das Weinbau-Klima so wichtigen Lacken einen Besuch ab, die allerdings aufgrund der Trockenheit kein Wasser führten und wie eine Salzwüste vor uns lagen. Wir trafen einen Nationalpark-Ranger, der gerade dabei war, etwas zu vermessen und fragten ihn zu seiner Meinung über die Trockenheit. Obwohl es in den vergangenen Jahren schon öfter zu Trockenperioden gekommen ist, legte der Ranger bei seinen Ausführungen die Stirn in Falten. Die nun herrschenden Wasserstände geben offenkundig tatsächlich Grund zur Sorge…

Die Tour führte uns an einem Bisongatter vorbei und schließlich zum Zicksee, wo wir mithilfe von Augmented Reality via Handy zum Leben erweckte Tiere bewunderten, zum Warmsee und dann zurück in unser Quartier, von wo wir nach einem kühlen Outdoor-Abendessen zur zweiten Weinverkostung aufbrachen.

Wenn du die Touren nachfahren möchtest, senden wir sie dir gerne als GPS-Track zu (Samstag = 22 km, Sonntag = 39 km)! Hinterlass uns einfach eine Nachricht mittels Kommentarfunktion!

Unser Camper-Ausflug zum Martiniloben in Illmitz war…

… ein Herbst-Wochenende voller Entdeckungen: Fauna, Flora und tolle Weine, die es im Handel nicht zu kaufen gibt. In dieser Kombination ideal für den Herbst, da man die Tage mit Bewegung verbringen kann und an den aufgrund des Sonnenstandes bereits langen Abenden ein super Programm hat!

P.S. Wir haben den Neusiedler See (allerdings die Gegend rund um Purbach) auch im Frühjahr besucht und sind den Kirschblütenradweg gefahren. Nachzulesen hier.

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