Friaul mit dem Wohnmobil: Sistiana, Lagune von Grado, Collio, Udine

Bereits im Vorjahr hatten wir Sistiana und den Collio – damals noch als Hotel-Touristen – kennengelernt. Da Sistiana mit ca. 5,5 Stunden Fahrtzeit in angenehmer Distanz zu unserem Wohnort liegt und uns die Steilküste und das hügelige Hinterland gut gefallen haben, hatten wir im Vorjahr bereits beschlossen, mit unserem Wohnmobil bald einen Ausflug ins Friaul zu unternehmen. Praktischerweise hatten wir im Vorjahr mit dem Auto auch schon einige Stellplätze ausgekundschaftet.

Da unsere Freunde Reini und Sigi an diesem Wochenende auch etwas unternehmen wollten,  schlossen sie sich unserem Ausflug ins Friaul – samt Timmy, dem Hund – spontan mit ihrem Wohnmobil an. Wir vereinbarten, dass jeder von uns mittwochs von der Arbeit wegfahren würde und wir uns im Hafen von Sistiana treffen würden.

Wenig Touristen dank Corona

Fronleichnam und der Zwickeltag bedeuten normalerweise lange Staus an den Grenzen und überfüllte Badeorte an der oberen Adria. Aber 2021 war einiges anders: der Lockdown in Österreich war eben erst zu Ende und obwohl das Friaul zu diesem Zeitpunkt eine „weiße“ Corona-Zone war, parkten nur sehr wenige Wohnmobile und fast keine Autos um ca. 22 Uhr Ankunftszeit im Hafen.  Bereits bei unserem Aufenthalt im Vorjahr hatten wir herausgefunden, dass man im Hafen – zumindest in der Nebensaison – übernachten kann. Nur tagsüber muss man die Parkgebühr zahlen, die aber ohnehin auch zu entrichten wäre, wenn man hier parken und baden möchte.

Freistehen im Hafen von Sistiana

Als wir ankamen, waren einige der kleinen Bars und Cafés am Hafen noch offen. Wir bestellten – wie es sich gehört – Aperol Spritz und eine Birra und gingen dann ins Bett. Natürlich nicht im Hochdach, sondern unten, da Campingverhalten auf einem Parkplatz nicht angebracht ist. Am nächsten Tag beschlossen wir nach einer Lagebesprechung mit unseren Freunden, die spätnachts angekommen waren, dass wir eine Bootsfahrt mit unserem aufblasbaren Kajak* unternehmen würden. Sie hingegen wollten mit dem Hund am Rilkeweg zum Schloss Duino wandern. Wir hatten diese Wanderung bereits im Vorjahr absolviert. Sie ist sehr zu empfehlen und bietet schöne Ausblicke von der Steilküste. Es ist nicht sonderlich weit (2-3 Stunden hin und retour mit Pause), aber gutes Schuhwerk ist für den Weg durch den Karst zu empfehlen.

Piratenstrände und Luxusjachten

Wenn wir am Wasser urlauben, suchen wir auf Google Maps die Küstenlinie nach Buchten oder Stränden ab, die nur vom Wasser aus zugänglich sind. Man glaubt es nicht, aber so findet man selbst in den touristischsten Gegenden Badebuchten, in denen man fast alleine ist. So auch hier. Auf der Spiaggia dei Barbari und Spiaggia naturista haben es sich Einheimische zwischen den Bäumen mit Hängematten, selbst errichteten Holzhütten und Stegen gemütlich gemacht. Auf den Schotterbänken davor konnte man gut anlegen und – ohne die Nudisten zu stören – in Ruhe sonnenbaden.

Nach unseren getrennten Ausflügen unternahmen wir mit unseren Freunden einen Spaziergang in die benachbarte Bucht des künstlich angelegten Luxus-Resorts Porto Piccolo. Dort liegen zahlreiche edle Yachten, der Apartmentbesitzer, vor allem Österreicher und Italiener, vor Anker. Wenn man das Resort durchquert, gelangt man an dessen Ende zu einem Badeplatz, der nicht mehr mit Liegestühlen und Schirmen bestückt ist. Dort prangert zwar ein Bade-Verbotsschild, aber dies kümmerte die Einheimischen nicht. Daher taten wir es als Abschreckungsmaßnahme des Resorts ab und nutzen den Schotterstrand für ein Bad mit Hund.

Unsanftes Erwachen

Ursprünglich hatten wir geplant, die zweite Nacht am Campingplatz von Sistiana, oberhalb der Bucht, zu verbringen. Die Stellplätze in der ersten Reihe zur Steilküste hin bieten einen tollen Ausblick und der Platz selbst einiges an Komfort wie z.B. ein großes Sportschwimmbecken sowie einen Bummelzug, der zur Bucht hinunter pendelt. Da die Übernachtung im Hafen aber gut geklappt hatte, beschlossen wir, das Geld zu sparen.

Leider war die zweite Nacht im Hafen weitaus weniger ruhig. Irgendwann wurden wir von Autos aus dem Schlaf gerissen, die lärmend auf dem Parkplatz im Kreis fuhren. Wohl ein Hobby von Einheimischen oder auch Jugendlichen, um die Touristen in den Wohnmobilen zu vertreiben, die man zu diesem Zeitpunkt wirklich an einer Hand abzählen konnte.

Kajaktour Isonzo-Mündung

Am nächsten Tag wollten wir unbedingt die Kajaktour im Isonzo-Delta nachholen, die wir im Jahr davor nicht geschafft hatten. Leider war dies wieder keine hundetaugliche Aktivität! Unsere Freunde hatten aber kein Problem damit und beschlossen, das Naturschutzgebiet mit dem klingenden Namen Riserva Naturale della Foce dell‘ Isonzo stattdessen auf dem Naturlehrpfad zu erwandern. Den Bericht zur Kajaktour findest du im Abschnitt BOOT/die Paddeltouren.

Paradies mit Gelsengarantie

Als nächsten Übernachtungsplatz hatte ich für uns den Campingplatz auf der Isola del Paradiso auserkoren. Die Isola del Paradiso liegt in der Lagune westlich von Grado ist über eine Straße zu erreichen. Auf der Insel befindet sich nichts außer dem – in die Jahre gekommenen – Campingplatz. Die meisten anderen Plätze in und um Grado, die ich mir im Web angesehen hatte, waren sehr touristisch mit Animation, Kinderspielplätzen, Wasserrutschen etc. Nicht unbedingt das, was wir wollten und brauchten.

Am Campingplatz angekommen wurden wir von freundlichen jungen Leuten begrüßt und gleich von mehreren Gelsen gleichzeitig gestochen. Glücklicherweise hatte ich zuhause noch Antibrumm forte* in der Apotheke gekauft, da ich ähnliches erwartet hatte. Meiner Meinung nach ist dies der einzige Gelsenspray, der gut hilft. Die Jungen haben den Platz erst kürzlich übernommen und werden vermutlich einige dringend notwendige Modernisierungen vornehmen.

Unsere Freunde hatten bereits einen Stellplatz bezogen. Dort angekommen fanden wir Sigi in ein Badetuch eingewickelt vor. Zum Gelsenschutz! Mein Antibrumm landete zur gemeinschaftlichen Verwendung auf dem Campingtisch und Siegi traute sich wieder aus ihrem Badetuch hervor. Sogar Timmy erhielt eine Spray-Behandlung, damit ihn die Gelsen nicht mehr länger in die Nase stachen.

Messies in der Lagune von Grado

Ein Erkundungsspaziergang offenbarte einen reizvoll angelegten Platz, auf dem allerdings sehr viele Messies hausten. Wir entdeckten teilweise verwahrloste Aussteigerunterkünfte von Dauercampern und älteren Leuten. Die Vermutung lag nahe, dass einige Camper dauerhaft hier lebten, vielleicht weil sie sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten konnten.

Die Sanitärräume waren sehr alt, aber sauber. Der Pool aus den 70ern war unansehnlich und nicht eingelassen. Aber deswegen waren wir ohnehin nicht da. Wenn man sich die Gelsen auf Abstand halten kann, ist der Platz sicherlich ein Geheimtipp für Naturliebhaber und auch ein idealer Startpunkt für eine Kajaktour in der Lagune von Grado. Man könnte sogar bis nach Venedig paddeln. Wieder ein Grund, nochmal in diese Gegend zurückzukommen!

Wein und Prosciutto im Collio

Liebhabern der Weißweinsorte Sauvignon Blanc sei der Landstrich „Collio“ wirklich ans Herz gelegt. Die Gegend im Dreiländereck Italien, Slowenien und Österreich überraschte uns bereits im Vorjahr mit ausgezeichneten Weinen, vor allem der Rebsorten Chardonnay, Sauvignon Blanc oder der regionalen Rebsorte Ribolla Gialla.

Den besten Sauvignon hatte 2019-2021 unserer Meinung nach das Castello di Spessa. Dies war dann auch die erste Station unserer Collio-Tour. Das Castello produziert nicht nur Wein und einen sehr guten Prosecco aus Ribolla Gialla, sondern beherbergt auch ein Sterne-Hotel, einen Golfplatz und ein nobles Restaurant. Wir spazierten im wunderschön angelegten Park, kaufen im Wein-Shop unsere Jahresration ein und fuhren weiter nach Cormons.

Cormons ist die Weinhauptstadt der Gegend. Auf dem netten Hauptplatz befindet sich die Enoteca di Cormons, in der man Weine fast aller Weinbauern der Region glasweise kosten kann, um sich dann entsprechend einzudecken. Außerdem serviert die Enoteca eine herrliche Schinken-Käse-Jause! Wir bestellten verschiedene Gläser sowie eine Jause für 4 Personen und ließen es uns gut gehen. Danach kauften wir noch ein paar Flaschen und fuhren weiter.

Wir fuhren weiter entlang der Weinstraße, bummelten durch die Grenzstadt Gorizia und schauten uns am Weg einige Stellplätze aus der Park4Night App an. Wir entschieden uns für einen kostenlosen Platz in der Nähe eines Agriturismo, der auch schon ganz gut besucht war und sogar über ein WC mit Waschbecken verfügte. Mit Glück fanden unsere beiden Wohnmobile noch Platz. In der Nähe des Pferdebauernhofes befand sich ein Gasthaus, in dem wir einkehren wollten. Um warm zu essen, wäre eine Tischreservierung nötig gewesen, so mussten wir mit kalter Küche vorliebnehmen. Die zweite Jause heute.

Wir saßen im Freien, bis sich der vorgesagte Wetterumschwung mit Wind ankündigte. Kurz darauf lagen wir im Dachbett und der Regen trommelte gemütlich auf das Dach unseres Busses.

Sonnenverwöhntes Udine

Am nächsten Tag entschieden wir uns für Aufbruch. Ich machte den Vorschlag, nach Udine zu fahren. Der Wetterbericht (die App Weather Pro hat mich selten enttäuscht) besagte, dass einige Kilometer weiter die Sonne schien. Es war unglaublich, aber wahr!

Wir verbrachten noch einen schönen Abschlusstag unseres Wohnmobil Wochenendes im Friaul mit einem Udine-Stadtbummel bevor wir die Heimreise antraten.

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Udine Friaul

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