Erste Reihe fußfrei: Tauplitzalm mit dem Wohnmobil

Wintercampen? Wollten wir eigentlich nicht. Im Gegenteil: wir hatten geplant, unseren Bus jedes Jahr nach der letzten Herbstfahrt den Winter über abzumelden. Denn für den Winterurlaub erschien uns ein Hotel komfortabler. Aber dann kam Corona. Die spärliche Schneelage im Winter 2021 und damit die überschaubar wenigen Optionen, im Mühlviertler Hügelland in freier Natur etwas zu unternehmen, haben dazu geführt, dass wir unsere Einstellung hinsichtlich Bus-Nutzung im Winter gründlich überdacht haben. Die Tauplitzalm schien uns für unseren ersten Winterausflug mit dem Wohnmobil besonders geeignet.

Langlaufen, Skifahren, Schneeschuhwandern – an diese Unternehmungen war im Winter 2021 in Oberösterreichs Zentralraum nicht zu denken. Wer dies machen wollte, musste dem Schnee nachfahren in höhergelegene Regionen. Aber es war Lockdown, die Gaststätten waren zu, die Hotels sowieso. Der Tagestourismus in den Skiregionen – die Lifte waren ja geöffnet – florierte. Als Ersatz für die zünftige Hüttenmahlzeit wurden Jausenbrote eingepackt, die Leute fuhren tagsüber in die nahegelegenen Skiregionen und pilgerten abends wieder nach Hause.

Glücklich waren diejenigen, die in weiter entfernten Wintersportorten ein Wochenendhaus besaßen. Dort war wenig los, die Pisten waren den „Einheimischen“ überlassen. Aber wir hatten es ja eigentlich noch viel besser, da wir ja über ein mobiles Schneckenhaus verfügten, um Skigebiete zu erkunden.

Das erste Mal im Winter über Nacht

An einem Februarwochenende wagten wir schließlich den Erstversuch. Die Wettervorhersage zeigte deutliche Plustemperaturen tagsüber, nachts nur geringe Minusgrade, dazu viel Sonne, die wir auch nutzen wollten. Unser Ziel war es, einen Stellplatz zu finden, der es uns ermöglichen würde, direkt vom Bus weg viele Wintersportarten auszuüben und danach den Tag bei einem Sundowner ausklingen zu lassen. Also war ein Stellplatz auf einem Hochplateau gefragt und nicht einer unten im Tal. Die Tauplitzalm liegt auf 1.600 Metern und ist über eine kostenpflichtige Mautstraße mit Wohnmobil, PKW und Skibussen zu erreichen.

Unsere Überlegung war, zwei Tage zu bleiben: am ersten Tag skizufahren, was weniger schweißtreibend ist, als eine Ausdauersportart – schließlich sollte man sich abends auch ohne Dusche noch riechen können und am zweiten Tag dann entweder eine Schneeschuhtour zu unternehmen oder Langlaufen zu gehen. Diese Reihenfolge war auch aus einem zweiten Grund optimal: die Auffahrt via Mautstraße auf die Tauplitzalm ist bei Kauf eines Skitickets für Wohnmobil und PKW kostenlos.

So verstauen wir unsere Winterausrüstung im VW California

Gesagt getan, wir packten Ski, Skischuhe, Snowboard, Langlaufski sowie Schneeschuhe und die Fotoausrüstung ein. Dabei mussten wir entdecken, dass die Durchreiche neben der Rückbank-Schublade des VW California Ocean sehr schmal ist. Zu schmal jedenfalls für zwei Paar Alpinski und zwei Paar Langlaufski plus Stöcke. Daher mussten wir splitten: Langlaufski durch die Durchreiche, Alpinski in der Tasche in der Mitte zwischen Vordersitzen und detto das Snowboard, ebenfalls in einer Tasche.

Da wir nicht vorhatten, das Dachbett bei Temperaturen unter 10 Grad zu nutzen und auch keine „Calicap“-Isolierung besitzen, war klar, dass wir die Skiausrüstung nachts irgendwie unter oder neben dem Auto im Freien deponieren mussten, um die Rückbank vorschieben und in ein Bett verwandeln zu können. Aber wir waren optimistisch, dass wir einen Stellplatz finden würden, der uns diese Möglichkeit erlaubt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Die Bekleidung, die wir in unseren Kästen und der Rückbankschublade verstauten, richtete sich nach den Sportarten, für abends nahmen wir gemütliche „Homewear“ und dicke Socken mit. Die Wahl der Sportunterwäsche fiel auf Merino-Wäsche, zB aus österreichischer Produktion von Scroc oder von Odlo*. Eine klare Empfehlung für Ausflüge, bei denen man ohne Duschmöglichkeit auskommen muss.

Perfekte Wahl für ein Winter-Wochenende

Nach unserer Ankunft fanden wir den Parkplatz 2 zu rund einem Drittel mit Campern gefüllt vor. Wir fanden dennoch ganz am Ende des Parkplatzes auf der Tauplitzalm, dort wo die freie Schneefläche beginnt, einen Platz für unser Wohnmobil. Auf dem P2 herrschte bereits Campingplatzatmosphäre, Stühle wurden in die Sonne gestellt und Gespräche mit dem Nachbarn begonnen. Wir wollten jedoch unser Skiticket bestmöglich nutzen! Wir folgten den Spuren der Pistenraupe auf dem Schneefeld neben dem Parkplatz und diese führten uns direkt auf die Piste! Nach einem perfekten Skitag schwangen wir dann wieder am Parkplatz, vor unserem Schneckenhaus-Hotel, ab. Auch eine Art von Luxus!

Die Sonne stand bereits relativ tief, die Bergkulisse war schon vom Abendrot erleuchtet. Wir schnappten uns zwei Getränke und das Teelichter-Raclette, das wir von Freunden zu Weihnachten für unsere Busabenteuer bekommen hatten und stellten unsere Campingsessel auf das Schneefeld. Genau so hatten wir es uns vorgestellt – bis zum Sonnenuntergang draußen zu sitzen. Dann allerdings wechselten wir in unseren bereits heimelig warmen Bus (Luftstandheizung sei Dank) und ließen das Raclettebrot fertig brutzeln, da durch den Wind und die Temperaturen die Teelichter das Raclette im Freien nicht ausreichend erwärmt hatten. Nach dieser Vorspeise wärmten wir uns unser vorgekochtes Essen (Paprikahuhn mit Spätzle) am Gasherd auf. Den Abend verbrachten wir mit unserem Würfelset und unserer Musikgenuss mit unserer kleinen, aber feinen Bose-Bluetooth-Box.

Die Nacht und die notwendigen Biopausen

An dieser Stelle wollen wir natürlich nicht verschweigen, dass irgendwann der Zeitpunkt kam, wo sich das Paprikahuhn wieder in Erinnerung rief. Das WC bei der Skibushaltestelle war zwar ganz am anderen Ende des Parkplatzes, aber hatte glücklicherweise geöffnet. Für das kleine Geschäft hatten wir bzw. ich – denn für Männer ist das weniger Thema – Einweg-Urinale* mit. Klingt natürlich wenig sexy, ist aber hilfreich, vor allem, wenn man nachts keine Mondscheinwanderung mehr unternehmen will. Bei den folgenden Winter-Touren, die wir immer so ansetzten, dass es nicht zu viele Minusgrade hatte, hatten wir dann immer das Porta-Potti* im Einsatz. Das Spülwasser ist uns dabei nie eingefroren, da wir das Potti im Küchenkasten aufbewahren und der Fahrgastraum immer temperiert ist.  

Zum Einschlafen gabs dann noch einen alten Film, den wir als avi-Datei am Stick abgespeichert, über den Bildschirm des Navis abgespielten. Die Batterieanzeige behielten wir immer im Blickfeld. Für zwei Tage, also eine Nacht haben wir rund ein Drittel der Batteriekapazität verbraucht. Eine zweite Nacht wäre also sicher problemlos möglich, bei einer dritten Nacht wäre es eventuell zu überlegen, ob man die Standheizung vom späten Nachmittag bis in die Früh auf Mittelstufe laufen läßt.

Fazit: Unser Bus ist auch im Winter perfekt für einen Wochenend-Trip geeignet. Bezüglich Platzangebot muss man etwas jonglieren, aber es war nie kalt und sogar richtig heimelig. Wir haben beschlossen, dies jedenfalls zu wiederholen. Mehrere Tage richtiges Wintercamping zu machen, bei dem dann ein Campingplatz aus Gründen der körperlichen Hygiene fast unerlässlich wäre, halten wir allerdings nach wie vor als nicht unbedingt unser Ding. Aber wer weiß: sag niemals nie!

Gerne jederzeit wieder!

Weil der Stellplatz, der eigentlich ein Parkplatz ist, wirklich traumhaft war, haben wir im Februar 2021 sowie Ende Dezember 2021 jeweils ein weiteres Mal die Tauplitzalm mit dem Wohnmobil angesteuert. Im Dezember hat sich am Parkplatz ein anderes Bild gezeigt: es war kein Lockdown mehr, die Selbstversorgerhütten, Apartments und das Hotel auf der Alm waren offensichtlich gut gebucht. Denn der P2, der auch von deren Gästen genutzt wird, war ziemlich zugeparkt. Diesmal waren auch kaum Wohnmobile da. Wir hatten zwar wieder Glück und einen Top-Platz am Rand beim Schneefeld erwischt, aber so einen Platz zu bekommen, ist sicher keine Selbstverständlichkeit.

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