Der Draupaddelweg – praktisch, fantastisch, easy!
86 Flusskilometer ohne Hindernis machen die Drau zum beliebten Paddelfluss, der vom Tourismusland Kärnten unter dem Titel „Draupaddelweg“ beworben wird. Die Drau fließt durch ein weitgehend reguliertes Flussbett, zwischen Greifenburg und Sachsenburg jedoch wurden einige Abschnitte renaturiert. Die einladende türkise Farbe und die Tatsache, dass man die Einstiege bequem per Bahn erreichen kann, tragen zur Attraktivität des Paddelreviers bei. Da die Strecke keine nennenswerten Schwierigkeiten aufweist, ist sie auch für Anfänger geeignet, die ihr Gefährt (die Drau wird im Sommer auch mit SUPs befahren) so weit beherrschen, dass sie bei hurtiger Strömung an- und ablegen können.
Vor uns lag ein verlängertes Mai-Wochenende und die Wetterprognose für Oberösterreich war nur mäßig einladend. In Kärnten hingegen waren Sonnenschein und nahezu sommerliche Temperaturen angesagt. Da wir den Draupaddelweg schon länger auf unserer To-do-Liste hatten, brachen wir mit unserem VW-Bus in Österreichs sonnigen Süden auf.

Pegelstand nach ausgiebigem Regen
Trotz der vorangegangenen Regenfälle wies die Drau einen Pegelstand nur knapp über Mittelwasser aus. Da wir uns von den Bedingungen selbst ein Bild machen wollten, bevor wir uns in einen eventuell reißenden und laut Internet zehn Grad kalten Gletscherfluss stürzten, beschlossen wir, am Tag unserer Ankunft eine MTB-Tour zu unternehmen, um Zeit zu haben, uns zu akklimatisieren, einen Stellplatz für den Abend auszuchecken und den Fluss zu begutachten.
Bereits bei der Anfahrt durch das Drautal von Spittal Richtung Dellach bzw. Gröfelhof, wo wir unsere Radtour starteten, erhaschten wir einige Blicke auf die Drau: Das Gefahrenpotenzial erschien uns weitgehend überschaubar!
MTB-Tour auf die Griebitsch und die Leppner Alm
Die MTB-Tour führte uns auf Forststraßen zur Griebitsch Alm und weiters zur gemütlichen Ochsnerhütte auf kühl-luftigen 2.000 Metern gelegen – fantastische Ausblicke auf das Drautal inklusive. Beide Hütten sind bewirtschaftet und einen Einkehrschwung wert. Gerne senden wir den GPX-Track der Tour zu – dazu einfach unten kommentieren.




Nach dem Radeln suchten wir den Übernachtungsplatz in der Nähe eines Steinbruchs auf, den uns unser Freund und Bootskollege Axel, der die Drau natürlich bereits befahren hat, empfohlen hatte.
Übernachtungsplatz in der Nähe von Stein
Die große, sonnige Wiese mit Blick auf eine Felswand unweit von Schloss Stein war uneinsichtig, eben und perfekt, um den Nachmittag dort ausklingen zu lassen und eine ruhige Nacht zu verbringen. Wir packten den Skotti-Grill aus und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen, denn am Berg war es doch noch recht kühl gewesen.
Etappe Oberdrauburg – Greifenburg
Am nächsten Tag brachen wir nach Oberdrauburg, dem Start unserer ersten Paddeletappe, auf und parkten unseren VW-Bus am dortigen Bahnhof. Gegenüber dem Bahnhof, seitlich des Feuerwehrhaues, befindet sich die leicht zugängliche Einstiegstelle. Wir waren nach der Winterpause noch etwas ungeübt beim Adjustieren und Zusammenbauen unseres Gumotex Seawave* und mussten außerdem entdecken, dass wir die Formrohre für die Spritzdecke zu Hause vergessen hatten. Aber es ging auch ohne, wenngleich die Spritzdecke dadurch relativ flach anlag und das Einsteigen erschwerte.




Wir stiegen um 11 Uhr in unser Kajak und brachen zur rund 18 Kilometer langen Tour nach Greifenburg auf. Bis auf weidende Kühe und Pferde waren wir alleine am Fluss, der Draupaddelweg scheint erst im Hochsommer Touristen anzuziehen. Einzig bei der Aussichtsplattform „Baumhaus“ in Dellach trafen wir auf einige Radfahrer. Unmittelbar danach befindet sich ein kleiner, karibisch anmutender Sandstrand, an dem wir eine Rast einlegten. Leider fand unsere Pause ein jähes Ende, als zwei junge Männer einen Lautsprecher auspackten, der alle, die sich in der Umgebung des Baumhauses befanden, mit lautstarkem Techno beglückte. Wir brachen abrupt auf und da wir am Boot unerreichbar für die Halbstarken waren, ließ Günther es sich nicht nehmen, seinen Unmut mehr als deutlich zu artikulieren.


Hilfsmittel für die Tourplanung
Wir hatten uns die Ausstiegstelle zuvor auf Google Maps angesehen und außerdem mithilfe unserer Suunto Uhr* einen gpx-Track erstellt, dem wir nachfuhren und der uns die Reststrecke zuverlässig anzeigte. Daher war es für uns kein Problem, rechtzeitig das Ufer anzupeilen, um den linksufrigen Ausstieg vor der Straßenbrücke zwischen Greifenburg und Bruggen nicht zu verpassen. Dies könnte in der Tat ein Problem darstellen, denn die Strömung ist bei weitem zu stark, um kurzfristige Korrekturmanöver von einer Seite des Flusses auf die andere durchzuführen oder gar zurückzupaddeln.
Als weiteres Hilfsmittel bei der Tourplanung diente uns Alfons Zaunhubers Buch* „Paddelland Österreich“, dessen Etappenvorschlag wir folgten. Aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit ist man sehr flott unterwegs: für die rund 18 Kilometer benötigten wir knapp 1:45 h reine Fahrtzeit. Trotzdem ist es etwas zu weit, beide Etappen zu einer zu verbinden, schließlich muss man Zeit für die Rückfahrt und das Zusammenpacken einplanen und man möchte den Tag ja gemütlich ausklingen lassen. Eine Möglichkeit wäre, statt in Oberdrauburg in Dellach zu starten und dann bis Sachsenburg durchzufahren.
Zurück mit dem Zug
Aber wir blieben bei Zaunhubers Vorschlag und booteten somit in Greifenburg, dem Ende unserer ersten Etappe aus. Für die rund drei- bis vierhundert Meter zum Bahnhof nutzten wir unseren Bootswagen*. Die Zugfahrt retour nach Oberdrauburg zum parkenden Auto betrug rund eine Viertelstunde, das Ticket kauft man am Automaten, daher Geld nicht vergessen (Automat gibt Retourgeld, ob Karten angenommen werden, kann ich nicht mehr sicher sagen).


Übernachtung in Sachsenburg
Als nächstes Domizil für die Nacht haben wir den Campingplatz „Draucamping“ in Sachsenburg auserkoren. Er lockt auf seiner Website mit der Möglichkeit, den benachbarten Tennisplatz gratis zu nutzen. Wir standen dann allerdings vor einem verschlossenen Tennisplatz, der zwar bereits ausgewintert war, aber dabei anscheinend auf das Netz vergessen wurde. Der Herr an der Campingplatz-Rezeption quittierte unser Feedback mit Achselzucken. Dann eben kein Tennis, schade. Unter dieser Voraussetzung hätten wir eventuell einen anderen Übernachtungsplatz gewählt.
Nach einer ausgiebigen Dusche (großzügige Duschkabinen und Haarföns am CP), spazierten wir ein paar hundert Meter zum Hauptplatz von Sachsenburg und kehrten im „Goldenen Rössl“ ein. Das Essen war vorzüglich, die Preise moderat, das Personal freundlich. Dies ließ uns die leere Tennisplatzversprechung rasch vergessen und wir waren mit Sachsenburg wieder ausgesöhnt.

Nach dem Abendessen begutachteten wir die Ausstiegsstelle der morgigen, zweiten Etappe, die sich direkt am Campingplatz befindet, um herauszufinden, ob man die Strecke zwischen Ausstieg und Bahnhof mit dem Bootswagen bewerkstelligen kann.
Es gäbe einen Weg direkt am Fluss, der allerdings aufgrund einer Baustelle nicht begehbar war. Daher parkten wir das Auto zwar am Bahnhof, aber beschlossen, dass Günther es holen würde, während ich beim Boot beim Ausstieg am Campingplatz blieb.
Diesmal shuttelten wir also nicht nach der Bootsfahrt zurück zur Einstiegstelle, sondern starteten mit einer Zugfahrt von der Ausstiegs- zur Einstiegstelle, ebenfalls eine gute Alternative, da man die Bootsfahrt nicht auf eine Zugabfahrtszeit hin timen muss.
Top-Etappe Greifenburg-Sachsenburg
Nachdem Ufer und Flussbett der Drau auf der ersten Etappe eher gerade und unspektakulär waren und Axel uns von einem Abschnitt mit Tagliamento-Feeling berichtet hatte, waren die Erwartungen an den zweiten Tag hoch. Wir wurden nicht enttäuscht! Neben dem Bergpanorama, das den Fluss begleitet und das wir auch am ersten Tag bereits genossen hatten, war die Landschaft auf dieser Etappe deutlich spannender.





Um diese zu genießen, legten wir zwei Pausen ein: die Mittagspause auf einer Schotterinsel und eine Trinkpause bei einem ausgetrockneten Seitenarm. Auf dieser Etappe waren außerdem einige Paddler unterwegs, aber es war auch deutlich sommerlicher am heutigen Tag. Die Wassertemperatur war zwar frisch, vermutlich zwischen 12 und 14 Grad, aber eine kurze Abkühlung im Fluss ging sich trotzdem aus und war sogar dringend notwendig.
Kurz vor Sachsenburg beim Einfahren in die Flussschleife beim Campingplatz, die eine Engstelle darstellt, waren ein paar Stromschnellen zu meistern. Das Anlegemanöver beim Campingplatz glückte, hier gilt es, zügig beizudrehen.
Während ich begann das Boot abzubauen, ging Günther das Auto holen und fuhr damit bei geöffneter Schranke in den Campingplatz ein. Es schien keinen zu stören, allerdings war unser VW-Bus eventuell noch vorm Vortag bekannt.
Falls Du unsere GPX-Tracks von den beiden Bootstouren haben möchtest, lass einfach einen Kommentar da.
Kurzbesuch und Übernachtung am Weissensee
Wir hielten uns nicht länger in Sachsenburg auf, da wir den Weissensee, genauer gesagt, dessen Ostufer bei Stockenboi, ansteuern wollten. In Park4Night hatten wir dort einen Übernachtungsplatz gefunden, den wir uns ansehen wollten bzw. als zweite Alternative stand außerdem der Campingplatz zur Verfügung.
Doch der freie Platz schien ok. Wir parkten dort bereits am Nachmittag, um diesen auf der Badewiese zu verbringen. Der glasklare, türkisgrün schimmernde Weissensee lud dazu ein, schwimmen zu gehen, auch wenn die Wassertemperatur bei nur ca. 17 Grad lag.




Wir grillten bei einem der Picknicktische am See und kehrten erst bei Dunkelheit zum Bus zurück. Es dauerte eine Weile, bis wir uns trauten, zu Bett zu gehen, da in der Nähe unseres Übernachtungsplatzes das Quartier der Weissenseeschiffahrt liegt und eines der Schiffe dort bis spät in der Nacht gereinigt und gewartet wurde. Zu diesem Zweck fuhren Mitarbeiter mit Pickups etc. mehrfach an unserem parkenden Bus vorbei und wir befürchteten, mit einer Aufforderung, diesen Platz zu verlassen, konfrontiert zu werden. Aber nichts dergleichen passierte und wir verbrachten eine ruhige Nacht. Wir vermuten, dass dies in der Hauptsaison nicht geduldet wird.

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